Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

126

Der Mysticismus.

und daß Bilder in dem Maße, in welchem sie als Kunst-werke im Range steigen, mit weniger Andacht und mehrNeugierde betrachtet werden. . . Was der sogenannteKunstkenner immer sucht und anbetet, das ist der Menschund seine Einbildungen, der Mensch und seine Kunstkniffe,der Mensch und seine Erfindungen, der armselige, erbärm-liche, schwächliche, selbstsüchtige Mensch. Zwischen Scherbenund Misthaufen, zwischen besoffene Rüpel und verrunzelte Ma-damen, durch alle Schauspiele der Ausschweifung und Verwor-fenheit folgen wir dem sich umhertreibenden Künstler, nichtum eine gesunde Lehre zu empfangen, nicht um von Mitleidbewegt oder vor Entrüstung erregt zu werden, sondern um dieGeschicklichkeit des Pinsels zu beobachten und im Glitzern derFarbe zu schwelgen. . . Malerei ist nichts als eine edleund ausdrucksvolle Sprache, unschätzbar als Träger von Ge-danken, an und für sich aber nichts. . . Nicht durch die Art,wie die Dinge dargestellt oder gesagt werden, sondern durchdas, was sie darstellen und sagen, wird die Größe des Malersoder Schriftstellers in letzter Linie bestimmt. . . Die frühenAnstrengungen von Cimabue und Giotto sind die brennendenBotschaften von Weissagung, verkündet von den stammelndenLippen kleiner Kinder. . . Das Bild, das mehr und edlereGedanken in sich schließt, und wären sie noch so unbeholfenausgedrückt, ist ein größeres und besseres Bild als ein solches,das weniger und minder edle Gedanken, wenn auch noch soschön dargestellt, enthält. . . Je unzulänglicher die Mittelim Verhältnisse zum Zweck erscheinen, um so mächtiger wirdder Eindruck künstlerischer Gewalt sein."

Diese Sätze wurden für die Richtung der jungen Englän-der, die um 1843 künstlerische Neigungen mit dem Mystizis-mus der Entarteten und Hysteriker verbanden, entscheidend.Sie schließen die Aesthetik der ersten Präraphaeliten in sich.Diese hatten die Empfindung, daß Russin klar ausgesprochen