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Der Mysticikinus.
Worte „Präraphaeliten" klingen durch Jdeen-Assoziation„Prä-AdamitenJ", „Prähistorie" n. s. w. mit, kurz Alles,wcis unermeßliche Durchblicke ins dämmerige Unbekannte öff-net und dem Geiste träumendes Schweifen in Unzeit und inFabelländern gestattet. Daß die Präraphaeliten aber gerade inden Quattrocento-Malern ihr Kunstidcal verwirklicht fanden,das verdanken sie John Rnskin.
Ruskin ist einer der trübsten und falschesten Geister undeiner der gewaltigsten Stilisten dieses Jahrhunderts. In denDienst vollkommen delirirender Gedanken stellt er die wilde Ver-bissenheit des gestörten Fanatikers und die tiefe Empfindungdes Morel'schen „Emotiven." Seine Geistesverfassung ist dieder ersten -spanischen Großinquisitoren. Er ist ein Torquemadader Aesthetik. Am liebsten möchte er den mit ihm nichtübereinstimmenden Kritiker oder den an Kunstwerken ohne An-dacht vorübergehenden stumpfen Philister lebendig verbrennen.Da aber Scheiterhaufen nicht in seinem Machtbereiche liegen, sorast und tobt er wenigstens mit dem Wort und vernichtet dieKetzer bildlich mit Schimpf und Fluch. Mit seinem unbändigenZornmuth verbindet er große Kenntnis' aller Einzelheiten derKunstgeschichte. Wenn er über Wolkenformen spricht, so gibter die Wolken aus sechzig oder achtzig bestimmten Gemäldenwieder, die durch alle Sammlungen Europas verstreut sind,und wohlgemerkt: er that dies in den Vierziger Jahren, alsdie Lichtbilder nach den Meisterwerken der Kunst, die heute derenvergleichendes Studium so bequem machen, noch nicht bekanntwaren. Diese Anhäufung des Thatsächlichen, diese peinlicheGelehrsamkeit eroberte ihm den englichen Geist. Sie erklärtden mächtigen Einfluß, den er auf die Kunstempfindnng unddie theoretischen Schönheits-Anschauungen der angelsäch-
') Dies ist keine willkürliche Behauptung. Eins der berühmtestenGedichte D. G. Rossettis, von dem später die Rede sein soll, „Läen 80-rver«, behandelt die Prä-Adamitin Lilith.