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1 (1892)
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Der Mysticismus.

stand; aber zu allen Sinnen ein katholisches Fest." Unzwei-felhaft regt die abgründig dunkle Sinnbildlichkeit des Katholizis-mus, all das Aeußerliche seiner priesterlichen Bewegungen, sei-nes geheimnißvollen Altardienstes, seiner Pracht der Kirchenge-wänder, liturgischen Geräthe und Kunstwerke, seiner Sinnen-überwältigung mit Orgeldünner und Weihrauchqualm und blitzen-der Monstranz mehr wirre, vieldeutige Schattenvorstellungenan als der nüchterne Protestantismus. Die Bekehrungder Friedrich Schlegel, Adam Müller, Zacharias Werner,Graf Stolberg zum Katholizismus ist nur folgerichtig, ebensowie es dem Leser, der den Ausführungen über die Mytholo-gie des Mystizismus folgte, verständlich ist, daß bei diesen Ro-mantikern eine oft bis zur Geilheit gesteigerte Sinnlichkeit dieAufwallungen der Frömmigkeit begleitet.

Um ein Menschenalter später als in Deutschland trat dieRomantik in Frankreich auf. Die Verspätung ist geschichtlichleicht zu erklären. In den Stürmen der Umwälzung und dernapoleonischen Kriege fanden die führenden Geister des franzö-sischen Volkes keine Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen. Siehatten keine Muße, die Philosophie ihrer Encyklopädisten zuprüfen, sie unzulänglich zu finden, sie zu verwerfen und gegensie aufzufahren. Sie gaben ihre ganze Kraft in rauhen, gro-ßen Muskelthaten des Krieges ans und das Bedürfniß nachden Gemüthsbewegungen, welche Kunst und Dichtung geben,machte sich wenig geltend, da es von den weitaus stärkerenEmotionen der Eigenliebe und Verzweiflung durch ruhmreicheSchlachten und weltuntergangmäßige Niederlagen vollauf befrie-digt wurde. Erst in der Halbschlummerzeit, die auf Waterloofolgte, traten die ästhetischen Neigungen wieder in ihre Rechteund nun führten dieselben Ursachen zu denselben Ergebnissenwie in Deutschland. Die jungen Fähigkeiten erhoben auch hierdie Fahne des Aufruhrs gegen die herrschenden ästhetischen undphilosophischen Richtungen. Sie wollten, daß die Einbildungs-