Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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69
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Geistes cmheimfielcn, trugen dauernden Schaden an der Gesund-heit ihres Nervensystems davon. Das erklärt es, daß dieHysterie und Neurasthenie in Frankreich so viel häufigerund in so viel mannigfaltigeren Formen auftritt und daßman sie in diesem Lande so viel genauer studiren konnte alsüberall anders. Es erklärt aber auch, daß die delirirendstenModerichtungen in Kunst und Schriftthum gerade in Frankreichaufkommen mußten und daß man sich gerade da der krankhaftenErschöpfung zuerst mit genügender Deutlichkeit bewußt wurde,um für sie ein besonderes Wort zu suchen und die Bezeichnungün cis sieols" zu erfinden.

Die Behauptung, die hier zum Beweise gestellt wurde, istnun wohl als erwiesen anzusehen. In der gesitteten Welt herrschtunverkennbar eine Dämmerstimmung, welche sich unter Andermauch in allerlei seltsamen ästhetischen Moden ausdrückt. Allediese neuen Richtungen, der Realismus oder Naturalismus,der Decadentismus, der Neomystizismus und ihre Unterformen,sind Kundgebungen der Entartung und Hysterie und mit derenklinisch beobachteten und unzweifelhaft festgestellten geistigenStigmaten identisch. Entartung und Hysterie sind aber dieFolge übermäßiger organischer Abnützung, welche die Völkerdurch die riesenhaft gesteigerten Ansprüche an ihre Thätigkeitund durch das starke Anwachsen der Großstädte erlitten haben.

Geleitet von dieser festgefügten Kette der Ursachen undWirkungen wird Jeder, der folgerichtigem Denken zugänglichist, zur Einsicht gelangen, daß er einen schweren Jrrthum be-geht, wenn er in den seit einigen Jahren entstandenen ästhe-tischen Schulen Herolde einer neuen Zeit sieht. Sie weisennicht in die Zukunft hinüber, sondern deuten rückwärts in dieVergangenheit. Ihr Wort ist keine verzückte Weissagung,sondern das unsinnige Stammeln und Schwatzen von geistigGestörten und was von den Unkundigen für einen Ausbruchübersprudelnder Jugendkraft und tobenden Gestaltungsdranges