Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
64
Einzelbild herunterladen
 

64

§iu äs Llsols.

und besser als vor 50 Jahren, aber nicht entfernt in dem Ver-hältnisse, in welchem sie sich heute mehr anstrengen müssen alsdamals. Und selbst wenn sie die auserlesensten Nahrungs-mittel in größtem Uebermaße hätten, es würde ihnen auchnichts helfen, da sie sie nicht verdauen könnten. Unser Magenkann mit dem Gehirn und Nervensystem nicht Schritt halten.Dieses fordert sehr viel mehr, als jener zu leisten vermag.Es tritt also ein, was stets geschieht, wenn großen Ausgabenkleine Einnahmen gegenüberstehen: zuerst wird das Ersparteanfgebraucht, dann kommt der Zusammenbruch.

Die gesittete Menschheit wurde von ihren neuen Erfin-dungen und Fortschritten überrumpelt. Es blieb ihr keine Zeit,sich ihren geänderten Daseinsbedingungen anzupassen. Wirwissen, daß unsere Organe durch Übung immer größere Leistungs-fähigkeit erlangen, sich durch ihre eigene Thätigkeit entwickelnund nahezu jeder Anforderung entsprechen können, die an siegestellt wird; aber nur unter einer Bedingung: daß diesallmälig geschieht, daß ihnen Zeit gelassen wird; sollen sie ohneÜbergang das Vielfache des Gewohnten leisten, so versagensie rasch vollständig. Unseren Vätern ist keine Zeit gelassenworden. Gleichsam von einem Tag auf den andern, ohne Vor-bereitung, mit mörderischer Plötzlichkeit mußten sie den behag-lichen Schleichschritt des frühern Daseins mit dem Sturm-lauf des modernen Lebens vertauschen und das hielten ihrHerz und ihre Lunge nicht aus. Die Stärksten konnten aller-dings mitkommen und sie verlieren jetzt auch in der raschestenGangart den Athem nicht mehr, die minder Tüchtigen aberfielen bald rechts und links aus und füllen heute die Straßen-gräben der Fortschrittsbahn.

Um unbildlich zu sprechen: die Statistik gibt an, in wel-chem Maße die Arbeitsleistung der gesitteten Menschheit seiteinem halben Jahrhundert gestiegen ist. Dieser größeru An-strengung, die sie zu machen hatte, war sie nicht ganz ge-