bin Ü6 Kitzels.
59
Die ungeheure Zunahme der Hysterie in unseren Tagenhat zum Theit dieselben Ursachen wie die der Entartung, außer-dem aber noch eine, die sehr viel allgemeiner ist als das Wachs-thum der Großstädte und zwar für sich allein vielleicht nichtgenügt, um Degeneration hervorzubringen, sicher aber voll-ständig ausreicht, um Hysterie und Neurasthenie zu erzeugen.Diese Ursache ist die Ermüdung des gegenwärtig lebenden Ge-schlechts. Daß Hysterie in der That eine Folge von Ermü-dung ist, hat Fsro durch beweiskräftige Versuche über einebloße Vermuthung erhoben. In einer Mittheilung an diePariser biologische Gesellschaft sagt der ausgezeichnete Forscher:^)„Ich habe eine gewisse Anzahl von Thatsachen beobachtet,welche die Ähnlichkeit ersichtlich machen, die zwischen derMüdigkeit und dem Dauerzustand der Hysteriker besteht.Mau weiß, daß bei den Hysterikern die" (unwillkürliche!)„Symmetrie der Bewegungen häufig in höchst kennzeichnen-der Weise auftritt. Ich habe festgestellt, daß bei gesundenMenschen unter dem Einflüsse der Müdigkeit dieselbeSymmetrie der Bewegungen anzutreffen ist. . . Eine inder großen Hysterie stark ausgeprägte Erscheinung ist diebesondere Reizbarkeit, welche bewirkt, daß die Kraft der Will-kürlichen Bewegungen durch peripherische Erregungen oder-geistige Vorstellungen rasche und vorübergehende Aenderungenerleidet, mit denen gleichzeitige Aenderungen des Empfindungs-vermögens und der Eruähruugs-Thätigkeit verbunden sind.Dieselbe Reizbarkeit kann auch bei Müdigkeit nachgewiesenwerden. . . Die Müdigkeit stellt also eine wahre Versuchs-Hysterie dar. Sie bildet einen Uebergaug vom Zustand derGesundheit zu den verschiedenen Zuständen, die wir als Hy-sterie bezeichnen. Man kann einen gesunden Menschen ineinen Hysteriker verwandeln, indem man ihn ermüdet. . .
y ksrs, I/S. Leinaiiiö Mäleals. Paris. Jahrgang 1890. S. 192.