§in äs 8isclls.
Der gemeinsame Charakter aller dieser Mcnschen-Erschei-inmgen ist, daß sie nicht ihre wirkliche Eigenart geben, sondernetwas darstellen wollen, was sie nicht sind. Sie begnügensich nicht damit, ihre natürliche Bildung zn zeigen, auch nichtdamit, diese mit erlaubter Nachhilfe ihrem richtig empfundenenTypus entsprechend zu vervollkommnen, sondern suchen irgendein Vorbild aus der Kunst zu verkörpern, das mit ihrem eige-nen Schema keine Verwandtschaft hat, ja ihm oft heftig ent-gegengesetzt ist; und meist nicht einmal ein einziges Vorbild,sondern mehrere zugleich, die wieder gegen einander die Zähnefletschen. So entstehen Köpfe, die auf Schultern sitzen, zu wel-chen sie nicht gehören, Trachten, deren Bestandtheile unzusam-menhängend sind wie ein Traumcostüm, Farbengesellungcn, dieim Dunkeln vorgenommen scheinen. Man hat den Eindruck, aufeinem Maskenfeste zu sein, auf dem Jeder in einer Verklei-dung und mit einem Charakter-Kopf erschienen ist. Bei man-chen Gelegenheiten, wie am Firnißtage des Pariser Marsfeld-Salons oder bei der Eröffnung der Gemälde-Ausstellung derLondoner Royal Academy, kann sich dieser Eindruck so unheim-lich steigern, daß man glaubt, unter Larven zu wandeln, diein einer fabelhaften Leichenkammer aus zerstückten Körpernaufs Gerathewohl zusammengeflickt wurden, Köpfe, Rümpfe,Gliedmaßen, wie sie gerade zur Hand waren, und die der Bildnerdann in unbedenklichem Durcheinander mit den erstbesten Ge-wändern aus allen Geschichtszeiten und Weltgegenden beklei-det hat. Jede einzelne Gestalt strebt sichtlich danach, mit ir-gend einer Seltsamkeit des Umrisses, der Haltung, des Schnit-tes, der Farbe die Aufmerksamkeit heftig wachzuriitteln undgebieterisch sestzuhalten. Sie will einen starken, gleichgiltig obangenehmen oder unangenehmen, Nervenreiz üben. Ihr fixerGedanke ist, grell aufzufallen.
Folgen wir diesen Menschen im Maskenanzug undmit Charakterköpfen in ihre Wohnungen. Diese sind zugleich