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Erröthen.
Cap. 13.
drücken, dadurch, daß er zur Aufmerksamkeit auf sich selbst führt,factisch die Neigung dazu.
Jüngere Individuen erröthen viel leichter und häufiger als alte,aber nicht während der ersten Kindheit 2 ; dies ist deshalb merkwür-dig, weil wir wissen, daß kleine Kinder in einem sehr frühen Altervor Leidenschaft roth werden. Ich habe den authentischen Berichtüber zwei kleine Mädchen im Alter von zwischen zwei und drei Jahrenerhalten, welche errötheten, ferner von einem andern empfindlichen,ein Jahr älteren Kinde, welches erröthete, wenn es wegen einesFehlers getadelt wurde. Viele Kinder erröthen in einem etwas vor-geschritteneren Alter in einer scharf ausgesprochenen Weise. Es scheint,als wären die geistigen Kräfte kleiner Kinder noch nicht hinreichendentwickelt, um ein Erröthen bei ihnen zu gestatten. Daher kommtes auch, daß Idioten selten erröthen. Dr. Crichton Browne beob-achtete für mich die unter seiner Pflege Befindlichen, sah aber niemalsein rechtes Erröthen, obsclion er gesehen hat, daß ihr Gesicht, allemAnscheine nach aus Freude, wenn ihnen Nahrung vorgesetzt wurde,und aus Zorn roth wurde. Nichtsdestoweniger sind manche, wennsie nicht im äußersten Grade geistig verkümmert sind, im Stande zuerröthen. So hat z. B. Dr. Behn 3 einen mikrocephalen Idioten vondreizehn Jahren beschrieben, dessen Augen ein wenig strahlten, wenner sich freute, oder wenn er erheitert wurde, und welcher errötheteund sich nach der Seite umwandte, als er der ärztlichen Untersuchungwegen entkleidet wurde.
Frauen erröthen viel mehr als Männer. Es ist selten, einenalten Mann, aber nicht nahezu so selten, eine alte Frau erröthen zusehen. Die Blinden entgehen dem Erröthen nicht. Laura Bbidgsian,welche in diesem Zustande und außerdem noch vollständig taub ge-boren wurde, erröthet 4 . Mr. R. II. Blair, Vorsteher des Worcester-College gibt an, daß drei blindgeborene Kinder unter sieben oder achtsich zu der Zeit in der Anstalt befindenden leicht und stark erröthen.Anfangs sind sich die Blinden nicht bewußt, daß sie beobachtetwerden, und es ist, wie mir Mr. Blair mittheilt, eines der wichtig-sten Stücke in ihrer Erziehung, dies Bewußtsein ihrem Geiste ein-
2 Dr. Burgess, a. a. 0. p. 56. Auf p. 33 maclit er gleichfalls die Bemer-kung, daß Frauen viel reichlicher erröthen als Männer, wie unten angegeben wird.
3 citirt von C. Vo gt, Memoire sur les Microcephales, 1867, p. 20. Dr. Bur-gess zweifelt daran (a. a. 0. p. 56), ob Blödsinnige jemals erröthen.
4 Lieber, On the Vocal Sounds etc. in: Smithsonian Contributions, Yol. II,1851, p. 6.