Cap. 7. Schräge Stellung der Augenbrauen. 155
Australien, wenn sie niedergeschlagen sind, den Mund hängen lassen.Nach lange anhaltendem Leiden werden die Augen matt und verlierenden Ausdruck; auch werden sie häufig leicht mit Thränen unterlaufen.Die Augenbrauen werden nicht selten schräg gestellt, was eine Folgedavon ist, daß ihre inneren Enden in die Höhe gezogen werden. Diesruft eigenthümlich geformte Furchen auf der Stirn hervor, welche vondenen eines einfachen Stirnrunzelns sehr verschieden sind; doch kannin einigen Fällen allein ein Stirnrunzeln vorhanden sein. Die Mund-winkel werden abwärts gezogen; und dies wird so ganz allgemeinals ein Zeichen einer gedrückten Stimmung erkannt, daß es beinahesprichwörtlich geworden ist.
Das Athmen wird langsam und schwach und wird häufig vontiefem Seufzen unterbrochen. Wie Geatiolet bemerkt, vergessen wir,sobald nur unsere Aufmerksamkeit lange auf einen Gegenstand ge-richtet ist, zu athmen und erleichtern uns dann durch eine tiefe In-spiration ; die Seufzer einer in Trauer befangenen Person sind aberals Folge der langsamen Respiration und trägen Circulation außer-ordentlich characteristisch 1 . Wenn der Kummer einer Person in diesemZustande gelegentlich wiederkehrt und sich zu einem Paroxysmus ver-schärft, dann ergreifen Krämpfe die Respirationsmuskeln, und siefühlt, als wenn irgend Etwas, der sogenannte globus hystericus,in ihrer Kehle aufstiege. Diese krampfhaften Bewegungen sind offen-bar mit dem Schluchzen der Kinder verwandt und sind Überbleibseljener heftigeren Krämpfe, welche eintreten, wenn man von einerPerson sagt, daß sie vor excessivem Kummer ersticke 2 .
Schräge Stellung der Augenbrauen. — Nur zwei Punkteder oben gegebenen Beschreibung erfordern eine weitere Erläuterung, undzwar sind dieselben sehr merkwürdig: nämlich das in die Höhe Ziehender inneren Enden der Augenbrauen und das Herabziehen der Mund-winkel. Was die Augenbrauen betrifft, so kann man wohl gelegent-lich sehen, daß sie hei Personen, welche an tiefer Niedergeschlagen-
1 Die obigen deseriptiveu Bemerkungen sind zum Th eil meinen eigenenBeobachtungen entnommen, hauptsächlich aber Gratiolet (De la Physionomie,p. 53, 337; über das Seufzen, p. 232), welcher den ganzen Gegenstand sein guterörtert hat; s. auch Huschke, Mimices et Physiognomices Fragmentum pliv-siologicum, 1821, p. 21. Über das matte Aussehen der Augen s. Dr. Piderit,Mimik und Physiognomik, 1867, S. 65.
2 Über die Wirkung des Kummers auf die Bespirationsorgane s. besondersnoch Sir Ch. Bell, Anatoiny of Expression, 3. edit. 1844, p. 151.