Einleitung. 7
Kurze Erörterungen über den Ausdruck sind in verschiedenenWerken zu finden, welche hier nicht einzeln angeführt zu werdenbrauchen. Dagegen hat Mr. Bain in zweien seiner Werke den Gegen-stand mit einiger Ausführlichkeit behandelt. Er sagt 8 : „Ich betrachte„den sogenannten Ausdruck als Theil und Stück des Gefühls. Ich„glaube, es ist ein allgemeines Gesetz des Geistes, daß in Verbindung„mit der Thatsache des inneren Fühlens oder des Bewußtseins eine„diffusive Thätigkeit oder Erregung auf die Glieder des Körpers aus-„geht.“ An einer andern Stelle fügt er hinzu: „eine sehr beträcht-liche Zahl von Thatsachen kann unter den folgenden Grundsatz„gebracht werden, daß nämlich Zustände des Vergnügens mit einer„Erhöhung und Zustände des Schmerzes mit einer Herabstimnumg„einiger oder aller Lebensfunctionen in Zusammenhang stehen.“ Dasoben erwähnte Gesetz der diffusiven Thätigkeit der Empfindungenscheint aber zu allgemein zu sein, um auf specielle Ausdrucksformenviel Licht zu werfen.
Mr. Hebdekt Spenceb, macht bei Behandlung der Empfindungenin seinen „Grundzügen der Psychologie“ (1855) die folgenden Be-merkungen: „Furcht drückt sich, wenn sie stark ist, in Schreien„aus, in Versuchen, sich zu verbergen oder zu entfliehen, in Züch-tungen und Zittern; und dies sind gerade die Erscheinungen, welche„das wirkliche Erfahren des gefürchteten Übels begleiten würden.„Die zerstörenden Leidenschaften zeigen sich in einer allgemeinen„Spannung des Muskelsystems, iinKnirschen der Zähne und Vorstrecken„der Krallen, in den weit geöffneten Augen und Nasenlöchern, im„Knurren; und dies sind schwächere Formen der Thätigkeitsäußer-„ungen, welche das Tödten der Beute begleiten.“ Wie ich glaube,liegt hierin die wahre Theorie einer großen Zahl von Ausdrucksformen;das hauptsächlichste Interesse und die größte Schwierigkeit desGegenstandes liegt aber in dem genaueren Verfolgen des Zustande-kommens der wunderbar complicirten Resultate. Ich sehe, daß irgendJemand (wer es aber v r ar, bin ich. nicht im Stande gewesen, zu er-mitteln) bereits früher eine ganze ähnliche Ansicht ausgesprochenhaben muß; denn Sir Cu. Bell sagt 9 : „Es ist behauptet worden,„daß das, was die äußeren Zeichen der Leidenschaften genannt wird,„nur die begleitenden Erscheinungen jener willkürlichen Bewegungen
8 The Senses and the Intellect. 2. edit. 1801, p. 96 und 288. Die Vorredezur ersten Auflage dieses Werkes ist vom Juni 1855 datirt. Siehe auch die 2. Auf-lage von Bain’s Werk: „On the Emotions and Will.“
9 The Anatomy of Expression. 3. edit. p. 121.