Druckschrift 
3 (1828)
Entstehung
Seite
397
Einzelbild herunterladen
 

397

ihm bisher gewahrte; wenn aber die Amme, das Kindzu entwöhnen, ihn mit Wermuth netzte, zieht es dieLippen zurück, versucht noch einmal, flieht aber end-lich, weint zwar, doch flieht.

Was meint aber der Leser, wenn wir ihm sagen,daß Renzo, kaum in der neuen Heimath mit denSeinigen angelangt und eingebürgert, schon gehörigeAergernisse bereit fand? Zwar nicht gar zu arge; abercs genügt dock so wenig , die Seelenruhe und Zu-friedenheit zu stören! Die Sache ist kürzlich die.

Das eine geraume Zeit vor der Ankunft, im Dorfeentstandene Gerede in Betreff Luziens; daß manwußte, Renzo habe ihretwegen so viel gelitten, sieimmer treu und beharrlich geliebt; vielleicht auch dievielfach ausgekramten Lobreden eines ihm Wohlwol-lenden, hatten eine gewisse Neugier veranlaßt, dasMädchen von Angesicht zu Angesicht zu sehen, vonihrer Schönheit manche Erwartungen erregt. Wiees mit den Erwartungen zugeht, weiß man, man istleichtgläubig, erfindet und erfindet, verläßt sich dar-aus; kommt es dazu, wird man kostverachtend, schwie-rig, ist nimmer nimmer zufrieden; man wußte imGrunde gar nicht, was man wollte, läßt der Wirk-lichkeit rücksichtlos alles entgelten, was man sichgrundlos von ihr erträumte. Als die wirkliche Luziaerschien, begannen Viele, die geglaubt haben moch-ten, sie müsse wahrhaft goldene Locken, wahrhafteRosenwangen, zwei Augen, deren eins schöner als