Gedränge eine Frau, die anscheinend wohl über dieerste Jugend hinaus, doch immer noch jung zu nen-nen war; ihr Anblick zeigte eine von langen Leidenund tätlichem Schmerze zwar getrübte, verhüllte,aber nicht zerstörte Schönheit, jene zugleich weicheund majestätische Schönheit, die nur im lombardi-schen Blute wohnt. Ihr Gang war matt, aber nichthinfällig, die Augen bargen keine Thränen, hattenaber augenscheinlich viele vergossen, es war diesemSchmerz eine Ruhe und Tiefe eigen, die eine seinerimmerdar bewußte, ihn immerdar empfindende Seeleverrierh. Aber nicht ihr alleiniger Anblick bezeichnet«sie unter so großem Elend als des Mitleidens beson-ders werth, belebte in allen Herzen dies in ihnenjetzt so ohnmächtige, fast erstorbene Gefühl. Siehielt ein todtes Kind von etwa neun Jahren in denArmen, hatte es gekleidet, geschmückt, mit auf derStirne gescheitelten Locken, in weiße Gewände, blen-dendweiße, als wie zu freundlichem, lang ihm ver-heißenem Feste.
Sie hielt es nicht, wie es nieder zu legen, hieltes sitzend, fest gedrückt, seine Brust an der ihren, alsob es lebe, im Arme; nur eine der kleinen, weißenHände hing an der einen Seite so leblos und steifherab, das Köpfchen lag matter als blos schlafend ander Schulter der Mutter: der Mutter, denn hätteauch die Aehnlichkeit beider Gesichter nicht das eine