damit auf, daß keiner von beiden Theilen Mehr weiß,was der andere von ihm will.
Mit unfern beiden Briefwechselnden trat eben die-ser Fall ein. Der erste, in Nenzo's Namen geschrie-bene Brief handelte über viele Dinge: erstens gab erausführliche, aber auch eben sv verworrene Nachrichtenvon der Flucht, und von seinen gegenwärtigen Um-standen, aus denen Agnes so wenig als ihr Dollmct-scher auch nur im Entferntesten klug wurden: geheimeWarnung, Namensveranderung, sicherer, aber ver-borgener Aufenthalt; alle diese Dinge waren ihnenschon an und für sich fremdartig, der Brief sprach vonihnen nun gar noch oftmals in Rathseln. Außerdiesem enthielt er noch bekümmerte, leidenschaftlicheFragen über Luziens Befinden, dunkle, traurige An-deutungen über die Gerüchte, die sich bis zu Renzo'nverbreitet hatten; endlich noch ungewisse, ferne Hoff-nungen, wcitaussehende Plane für die Zukunft undeinstweilen Versprechungen und Bitten, die gelobteTreue zu halten, Geduld und Much nicht zu verlie-ren, Alles von der Zeit zu erwarten.
Einige Zeit darauf fand Agnes einen zuverlässigenMann, dem sie ihre Antwort mit den fünfzig Scudi,die sie in Luziens Auftrag sandte, für Renzo'n anver-traute. Beim Erblicken so vielen Geldes wußte ernicht, was er denken sollte, seine Seele war so vollerVerwunderung und Erwartung , daß er keine Freudeempfinden konnte, er lief in der größten Geschwin-