Kaum waren die Worte von seinen Lippen» sobiß er sich in die Zunge, bemerkte, daß ihn der Aer-ger zu weit geführt habe und sagte bei sich: „Nunwird's erst los gehen!" — Als er aber den Blickzweifelhaft aufschlug, erstaunte er nicht wenig überden Anblick des Mannes, den es ihm nie gelingenwollte, weder zu ecrathcn, noch zu verstehen: derstrenge, strafende Ernst seiner Züge ging in bereuen-des Nachdenken über.
„Zuviel!" sagte Friedrich, „so armselig und entsetz-lich ist unser Zustand! Wir machen die strengsten Forde-rungen an Andere und der Himmel weiß, ob wir sic selbstwürden erfüllen können; wir verdammen, strafen, ta-deln, und der Himmel weiß, was wir im nämlichenFalle thun würden, was wir in ähnlichen gethan ha-ben. Wehe mir! sollte ich meine eigene SchwacheAnderen zum Maaßstabe ihrer Pflichten, zum Spie-gel meiner Lehren aufstellen. Und doch ist es gewiß,daß wir mit unseren Lehren zugleich Anderen ein Bei-spiel geben sollen und nicht, wie die Pharisäer, ihnenunerträgliche Lasten ausbürden und sie selbst mit kei-nem Finger anrühren. Also, mein Sohn und Bru-der! da die Jrrthümer der Herrschenden Anderen oftbester als ihnen stlbst bekannt sind; wißt Ihr, daßich aus Kleinmuth, oder irgend sonst einer Ursache,eine meiner Pflichten verletzte, so sagt cs mir ohneRückhalt, bringt mich zur Erkenntniß, damit einsündiges Beispiel zum Wenigsten ein reuiges Be-lli. E