sehen und sandte eine Kutsche mit einer Kammerfrauab, Mutter und Tochter zu holen. Luzia erschrak,als der Schneider ihr die Botschaft hinterbrachte, undbat ihn, sie, so gut er vermöge, zu entschuldigen. Solange es nur darauf ankam, geringe Leute abzuwei-sen, die das Wundermadchcn wollten kennen lernen,hatte der Schneider ihr diesen Dienst willig erzeigt;in diesem Falle wollte ihm Widerspenstigkeit Empö-rung bedünkcn. Ec schnitt ihr so lange Gesichter,brummte ihr so lange die Ohren voll, machte ihr solange Vorstellungen über Vorstellungen: daß so etwaskeine Art und kein Geschick habe, daß cs eine vor-nehme Frau sey, daß man vornehmen Leuten nieetwas abschlagen, daß cs ihr Glück machen könne,daß Donna Praxedia auch eine Heilige sey; kurz, erredete ihr so viel vor, daß Luzia am Ende nachgeben,um so mehr nachgeben mußte, als Agnes alle dieseGründe mit deistimmenden: „Za, ja, Gewiß, gewiß!"unterstützte. Die Dame empfing sie, bei der Ankunft,mit vielen Artigkeiten und Glückwünschen, fragte,rieth: Alles mit einer gewissen, wie angeborenenUeberlegenheit, der aber doch so viele dcmulhsvolleAusdrücke, die so dringendes Interesse milderten, dieauf solchem Eeistrei'chlhume beruhete, verflossen,daß Agnes augenblicklich, Luzia nach und nach, an-fingen, sich, von der drückenden Ehrfurcht, welchedie vornehme Gegenwart zuerst einflößte, befreit,selbst zu ihr hingezogen zu fühlen. Und als Donna
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten