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Im zweiten derselben stand sie, die ihn erwartete — cs schien, als hattesie ihm entgegen gehen wollen, von hier aus aber nicht weiter den Mnthgehabt — sic stand an einem marmornen Spiegeltische, der an einemPfeiler war, und hielt sich daran mit der einen Hand. Hugo hatte sienur immer in dem alten schwarzen Kleide gesehen, heute aber war sieleicht und mit den Kleidern der Jugend angethan: er erschrak ein wcnig;denn so schön und so schlank und so groß hatte er sie nicht gedacht. Bondem grauen Scidenkleide, das sie umfloß, blickten die weißen Hände unddas lichte Antlitz sanft hervor. In den dunkelbraunen Haaren, welche be-sonders reich waren, trug sie gar nichts; aber diese Haare waren selberein Schmuck, sie waren unbeschreiblich rein und glänzend, und die seinenZüge, und die großen Augen sahen darunter wie ein süßer Himmel her-aus. Sie war sehr roth geworden, als er cintrat.
Hugo hielt seinen Hut in der Hand, verbeugte sich vor ihr, und sagtegar nichts. Sie sprach auch nicht — und so standen sic einige Augen-blicke. Dann fragte sie ihn, ob er nicht in ihr Arbeitszimmer mit ihrgehen wolle. Er ging mit ihr. In dem Zimmer stand ein Stickrahmenam Fenster, in der Ecke war ein Schreibtisch, dann waren die andern Ge-rätbe, die gewöhnlich in solchen Zimmern zu sein pflegen, kleine Tisch-chen, Schemel und dergleichen, an der Rückwand stand ein Sopha mitden dazu gehörigen Sesseln, und davor ein großer Tisch. Der Bodenwar mit schöne» Teppichen belegt. Draußen wiegten sich die grünenBaumzweige der Linden, cs spielten Sonnenstrahlen herein, daß gespren-kelter Schatten auf den Teppichen war. Sie setzte sich auf das Sopha,und lud ihn zum Niedersitzcn ein. Er legte seinen Hut auf eines der Tisch-chen, und setzte sich auf einen Sessel vor den Tisch.
Sie sprachen nun von gewöhnlichen Dingen. Hugo sagte, daß sehrviele Menschen auf dem Wege seien, um das Freie zu gewinnen, um dorteinen Theil des Tages zuzubringen, der gar so schön sei. Sie lobte dieLinden, die vor ihren Fenstern standen, und sagte, daß sie an so heiternSommcrtagen, wie der heutige, einen äußerst angenehmen Geruch hereinduften. Wenn aber große Hitze herrschte, dann zeigen sie erst ihre Treff-lichkeit , weil sie Schatten und beinahe möchte man sagen, ein kühles er-quickendes Lüftchen herein senden.
Nachdem sie eine Weile so gesessen waren, stand Hugo auf, um sichzu empfehlen. Sie begleitete ihn durch die zwei Zimmer — denn das