2l6
3 .
DWi.
Als Deborah begraben worden war und sich der letzte Stein überihrem Leibe zu dem Nachbarsteinc gefügt hatte, gleichsam als lägen sie zu-fällig da, und bärgen nicht so kostbare Dinge, wie die Körper verstorbenerAngehörigen, und da sie auch so schwer befunden worden waren und so festauf einander lastend, daß keine etwa begierig schweifende Hyäne die Glie-der anszuscharrcn vermochte: ging Abdias nach Hause, und stand vordem kleinen Kinde. Mirlha hatte in einem anderen Gemache eine bessereund tiefere Mauernische ausgefunden. Sie war einstens mit Seide aus-gefüttert und mit seidenen Polstern bedeckt gewesen. Esther hatte gernedas schöne Kind Abdias daraus gelegt, damit sich sein süßes Lächeln rechtheiter von der schönen dunklen grünen Seide hervorhcbe. Jetzt warenaber keine solchen Dinge in der Nische vorhanden; denn die Vorhängeund Ueberzüge aus Seide waren herabgeriffen, und auf Saumthicrenverpackt worden, die Kissen lagen allein da und waren zerfetzt, so daßdas, womit sie gefüllt waren, ein zartes dünnes Gras, gleichsam dasHaar der Wüste, heraus quoll, wie das Innere eines menschlichen Kör-pers. Mirtha zog dieses feine Gesüllsel gar heraus, lockerte cs mit ihrenFingern auf, und polsterte damit den nackten von spitzigen Steinen un-terbrochenen Boden der Nische. Dann suchte sic unter den hcrumliegen-dcn Lumpen etwas zusammen, was sie darauf breitete, ui» das Kind aufdieses Bettlein legen zu können. Bon Linnen war überhaupt wenig inder Wüste, und das Beste dieses Wenigen hatten die Reiter mitgenom-men. Daher machte sie aus Wolle, aus andern Stoffen, ja aus seide-nen Lappen, deren Farbe nicht mehr zu erkennen war, Windel, und legtesie auf einen Haufen neben die Nische. Da das neugebornc Mädchenauf diesem Bettlein schlief, war cs, daß Abdias vom dem Begräbnisseheim kam, und sich vor dasselbe hin stellte.
„Es ist so gut," sagte er, „Mirtha; wir müssen nun weiter sorgen."
Er ging hinaus, und führte die Eselin, die er gekauft hatte, unddie noch immer indem Gemache angebunden war, in dem er sie gelassenhatte, herein. Er stellte sie, damit sie recht gut verwahrt sei, in das Ge-