Seit diesem Kirchenbesuche war eine geraume Zeit vergangen, alsHugo wieder einmal zufällig in die Nähe des Gotteshauses von SamtPeter gcrieth. Es war gegen zehn Uhr, welches gerade die Zeit war,die, wie wir oben sagten, Hugo gewöhnlich zu seinem Vormittagsspazier-gange verwendete. Es fiel ihm ein, daß er jetzt sei» Versprechen lösenkönnte. Erdachte, der Mann, der ihn so sonderbar bestellt habe, seiwahrscheinlich irrsinnig, aber, dachte er hinzu, das könne doch keinenGrund abgeben, daß man ihm sein Wort nicht halte» dürfe. Wenn dieFreude, Hugo in der Kirche zu sehen, eine eingebildete ist, so sind es zu-letzt alle unsere Freuden auch — und wer weiß, welch' glühende, welch'schmerzliche oder süße Bilder seiner Vergangenheit gerade die blondenHaare aus seinem Innern hervor heben mögen, weil er sie so eigcnthüm-lich in seinem Briefe bezeichnet hat.
Unter Liesen Gedanken trat Hugo in die Kirche hinein. Der ruhigeOrgclton und der fromme Kirchengesang wallten ihm auch heute wiedergedämpft entgegen. Da er drinnen war, war cs eben auch gerade so,wie das erste Mal. Der Priester las am Hochaltäre die Blesse, die an-dächtige Menge aus allen Ständen und Altern saß zerstreut in den Stüh-len herum, und sang dieselbe schöne Kirchenweise. Der Diener kam mitdem Klingelbeutel, das Dreimal heilig tönte endlich, der Weihrauch stieg,der Gottesdienst wurde aus, und wieder, wie damals, zerstreute sich dieMenge. Aber der alte Mann, den Hugo damals gesehen, und mit demer gesprochen hatte, war heute nicht zugegen gewesen. Hugo wartete,bis die Kirchenuhr von draußen herein eilf Uhr schlug, und als er einegeraume Weile darnach den alten Mann auch noch nirgends sah, ging erwieder aus der Kirche fort, und hatte das Gefühl mit sich genommen,als hätte er eine gute That gethan. Und es war auch eine, wenn siegleich die beabsichtigte Frucht nicht getragen hatte.
Hugo war später noch einige Male um zehn Uhr in der Kirche vonSanct Peter gewesen. Zum zweiten Male hatte er de» Greis wieder ge-sehen. Er war auf ihn zugegangen, und hatte mit sehr viel Freude inseinen Zügen gesagt: „Ich danke Euch, ich danke Euch recht schön."
Nach diese» Worten war er wieder hinweg gegangen, und hattewahrscheinlich die Kirche verlassen.
War Hugo das erste Mal nicht gerade aus Beruf in die Kirche ge-gangen, um einem Gottesdienste bcizuwohnen, so wirkte doch nachher die
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