Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
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Aber er bedachte nicht, daß ja die Wellen nicht znrückslossen, son-dern mit ihm denselben Weg hinaus in die Länder der Menschen gin-gen.

Fuhrleute mit krachenden Wägen begegneten ihm auf der Straße,der graue Gebirgsjäger mit dein Gemsbartc ging über den Weg. Hcer-dcnglocken klangen, der Thau glänzte auf den Bergen Hugo ritt lang-sam aus einem Thale in das andere, und aus jedem derselben kam ihmein Bächlein nach, und alle vereinten sich, und zogen als größerer Bachmit ihm des Weges weiter der Himmel wurde immer blauer, dieSonne immer kräftiger, und das Herz des Reisenden mit. Nachmittags,als ihm die straffe Gebirgsluft schon längst die letzte Thräne von demAuge getrocknet hatte, und seine Gedanken schon weit und breit wiederihre Wege gingen, dauerte doch noch eine gewisse Weichheit und Sehn-sucht fort, die ihm sonst fremd gewesen waren. Er suchte daher, als erseine erste Nachthcrbcrge erreicht hatte, sogleich sein Lager, und entschlum-merte todtmüdc, während in seinen Ohren Heimathglockcn klangen undHeimathsbächc rauschten. In der ganzen Nacht hing das Bild des abwe-senden Vaters vor den zugemachten Augen.

Deßohngeachtct erwachte er am andern Morgen gestärkter und ruhi-ger, und jeder Tag, der da folgte, legte sein Körnlein dazu, bis er amAbende des sechsten Tages wohlgemut!) und staunend in die Herrlichkeitder Hauptstadt einritt.

Hier wußte er nun nicht, was er gleich beginnen sollte. Der einzigeEmpfehlungsbrief, den er mit bekommen hatte, nämlich der an den allenFeldobristen, war ihm unnütz; denn der Feldobrist war schon längstensgestorben, und so war er also mit sich allein. Das erste, was er vor-nehmen wollte, bestand darin, daß er sich irgendwo ein Stübchen miethc,in dem er lebe, und die Dinge ansähe, wie sie hier sind, damit er erfahre,was er dann weiter zu erringen habe.

Mit dem Pferde, welches er mitgebrachi hatte, war er gleich An-fangs in eine große Verlegenheit gekommen. Es war zur Zeit, als ervon Hause ging, nicht mehr Sitte, zu Pferde zu reisen, sondern der Reit-pferde bediente man sich nur im Heere zum Dienste, und außer demsel-ben, vorzüglich in der Stadt, blos zu dem einen oder dem andern Spa-zierritte. Er war daher häufig angcschaut worden, wenn er so auf seinemRappen die Straße dahin zog, und als er in die Hauptstadt gekommen