Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
277
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lowitz nicdergcschossen, weil cr wieder zu spät aufgebrochcn ist, wie sonst.Schreib' oft, Veit, wenigstens jeden Monat einmal, und vergiß nicht,und sei kein Narr, wenn Du einmal hörst, daß ich gestorben bin."

Nach diesen Worten stand der Knabe, der schon wußte, daß cr jetztfort ziehen werde, und bereits dazu vollkommen ausgerüstet war, auf,und ging an derHand des Vaters, der ihn führte, ans dem Hause hinaus.Sie gingen rückwärts durch den Garten und an den Blumenbeeten ent-lang. Der Rappe stand am Gitter, von dem traurigen Knechte gehal-ten. Der alte Krieger wollte grimmig darein schauen, um sich selber zuHilfe zu kommen; aber wie cr dem Sohne, der bisher stumm und stand-haft den Schmerz nieder gekämpft hatte, die Hand gab, und nun sah,daß dessen gute, junge und unschuldige Augen plötzlich voll Wasser an-licsen, so kam auch in die starren, ciscngraucn Züge des alten Mannesein so plötzliches Zucken, daß cr es nicht mehr zurück halten konnte. Ersagte nur die ganz verstümmelten Worte:Dummer Hasenfuß," undkehrte sich um, indem er heftig mit den Armen schlagend in den Gartenzurück ging. Hugo sah cs nicht mehr, wie der verlassene Mann, um sichseinem Anblicke zu entziehen, in die allererste Laube hinein ging, unddort die Hände über dem Haupte zusammen schlug: sondern cr ließ sichvon dem Knechte den Steigbügel halten, schwang sich auf, und ritt mitfester Haltung den Berg hinab, weil er meinte, der Vater sehe ihm nach;aber als er unten angckommcn war, und die Haselgcsträuchc ihn deckten,ließ er dem Herzen Luft, und wollte sich halb todt weinen vor ausge-lassenem Schmerze. Er hörte noch das Dvrfglöcklein klingen, wie cs indie Frühmesse läutete, und neben ihm rauschte das grüne klare Wasserdes Gebirgsbaches. Das Glöcklein klang, wie cs ihm zwanzig Jahregeklungen, der Bach rauschte, wie er zwanzig Jahre gerauscht undbeide Klänge gossen erst recht das heiße Wasser in seine Augen.

Ob cs denn," sagte er gleichsam halblaut zu sich,in der ganzenWelt einen so lieben Ort und einen so lieben Klang geben könne, undob ich denn nur noch einmal in meinem Leben diesen Klang wieder hörenwerde! "

Das Glöcklein hörte endlich auf, nur der Bach hüpfte neben ihmher, und rauschte und plauderte fort.

Grüße mir den Vater, und das Grab der Mutter," sagte er,duliebes Wasser."