Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
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aber auch noch als Mann von zwanzig Jahren etwas so einsam Unschul-diges, wie es heut zu Tage selbst tief auf dem Lande kaum vierzehnjäh-rige Knaben besitzen. Das Herz und seine Leidenschaften waren bei demVater schon entschlummert, daher blieben sie bei dem Sohne ungewecktund ungebraucht in der Brust liegen, und er hatte von dem Vater sonstnichts geerbt ,als den Tag für Tag gleichen Frohsinn und die Freude an derWelt. Bon der Mutter hatte er die ungewöhnliche Schönheit des Kör-pers und Antlitzes bekommen, die sic einst in ihrem Leben ausgezeichnethatte, und diese Schönheit entwickelte sich an ihm, da er empor wuchs,so daß die Blicke aller Menschen mit Wohlgefallen an dem Knaben haf-teten, und daß er als Jüngling, obgleich er selbst noch nichts anderesliebte, als den Vater und die ganze Welt, doch an manchen Stellen,wohin der Himmel seines Auges leuchtete, bereits die heißeste Liebe ent-zündet hatte, davon er selber nie etwas wußte.

Als er auf diese Weise ein und zwanzig Jahre alt geworden war,gab ihm der Vater ein Päckchen mit Goldstücken, einen Empfehlungs-brief, mehrere gute Lehren, und sagte, daß er mit allem diesem jetzt indie Hauptstadt gehen müsse.

Veit," sagte er,Du hast nun von mir genug gelernt, ich weißnichts mehr weiter. Du mußt nun in die Welt gehen und auch dasDeine thun. Gieb diesen Brief da dem alten Feldobristen, auf den erlautet, er wird Dir, wenn er noch lebt, an die Hand gehen; schau aufdas Geld, wir haben nicht viel, aber was ein ehrlicher Mann braucht,werde ich Dir immer senden; sieh zu, daß Du noch etwas lernest, dasDir gut thut, denn jetzt braucht man viel mehr, als ehedem, weil dieWelt aufgeklärter geworden ist; dann, wenn Du ausgelcrnt hast, mußtDu auch, wie ich Dir immer gesagt habe, auf der Erde etwas wirkenes sei, was cs wolle, ich rede Dir da nichts ein, aber gut muß cs sein,und so viel, daß es einer Rede wcrth ist, wenn man einmal Abends beiseinem eigenen Ofenfcuer beisammen sitzt, hörst Du, Veit! Dannkannst Du in Dein Haus zurückkommcn, cs trägt schon so viel, daßdavon ein strenger Mann leben kann, und sein Weib auch, und eineHandvoll Kinder auch noch und mancher Gast dazu, der zu Dir über'sGebirge steigt. So jetzt geh und lasse den gesattelten Rappen nichtzu lange warten, ich konnte das nie leiden, mein Bruder, der Franz,Dein Oheim, hat cs immer gcthan, darum haben sie ihn auch bei Kar-