Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
217
Einzelbild herunterladen
 

217

wölbe, welches sonst das Prunkgemach Esthcr's gewesen war, und in dasvon oben herab durch das vergitterte Fenster das Licht fiel. Dort band ersic sorgsam an, und richtete den hölzernen Riegel, mit welchem die Thürinwendig versehen war, wieder her, daß man ihn Nachts, da man herin-nen schlief, immer verschieben könne. Von dem Vorrathe dürren Wüsten-heues , mit dem er sonst immer seine Kameele gefüttert hatte, war genugvorhanden, indem das Heu nicht in seiner Behausung, deren Aeußcrcs,in so ferne cs brennbar war, von den Soldaten abgebrannt worden war,sondern in einer nicht weit davon befindlichen trockenen Höhle der Trüm-mer aufbcwährt worden war. Die Plünderer hatten cs wohl gefunden,hatten auch versucht es anzuzünden, aber wegen Mangel an Luftzug, undweil cs so dicht gepackt war, hatte es nicht in Flamme gerathen können.Sie rissen daher so viel heraus, als ihnen der Uebermuth eingab, nah-men mit, was sie für die nächsten Augenblicke brauchten, und auf ihrenThieren unterbringcn tonnten, und ließen das übrige zerstreut liegen.Als sich Abdias des Heues und seiner Brauchbarkeit versichert hatte, ginger wieder in seine Wohnung zurück, und suchte dort sehr lange unter alldem vielen Plunder die reinsten und wo möglich aus Linnen verfertigtenLappen heraus, damit sie dem Kinde zum Saugen dienten, wenn man ihmdie frische, warm aus dem Körper der Eselin kommende Milch zur Nahrunggab. Diese Lappen legte er alle auf einem Steine zusammen, der sich indem Gemache des Kindes befand. Sodann sah er nach den Zisternen. Erhatte in frühererZeit hinter dem hohen Schutte, der auf seiner Wohnunglag, dort, wo ein sehr großes Fries und darauf liegende Felsenstücke immer-währenden Schatten gaben, zwei Zisternen graben lassen. Gewöhnlich aberwar nur in einer derselben Wasser, die andere war leer. Dies rührte daher,weil die Zisterne mittelst eines Schlauches, den man absperrcn konnte, miteiner Wassergrube im Keller, die künstlich cingesäumt und dicht gepflastertwar, in Verbindung stand, in welche Grube Abdias immer größere Wasscr-theile, wenn sie sich oben sammelten, abließ, damit das Wasser im Kellerfrischer werde, und keine so große Menge durch Verdünstung verliere, alswenn es oben in der warmen Luft gestanden wäre, der cs noch dazu einegrößere Oberfläche darbot, als im Keller. Beide Zisternen fand Abdiasnach dem gestrigen Regen ganz voll und er ließ die eine, wie gewöhnlichunter die Erde ablaufen.

Das dürre, schlechte Kamecl, auf welchem er gestern gekommen war.