173
muß sehr kühl sein. Die Speisen, die Ihr bekommen werdet, sind vondem unteren Wirthe, Bernsteiner, dem der Keller des Steinbühls gehört,und bei dem der Schützcntanz sein wird. Er wird sie Euch auch imNamen der Schützcngcsellschaft senden."
Als sie noch kaum ausgeredet hatte, kam die Tochter des alten Bern-steiners nebst zwei Mägden, welche Kuchen, allerlei kalte Speisen, schönverziert, und angenehm geordnetes Obst vor mich hin stellten.
Ich dankte für die Aufmerksamkeit, und sagte, daß ich von denDingen schon nehmen werde. Rings herum auf der Tafel standen vordenen, die da saßen, ähnliche Sachen, die Beschlußstücke eines gehaltenenMahles. Die Männer hatten Wein, die Frauen und Mädchen Kuchen,Obst und dergleichen, und an mehreren Stellen stand auch ein Bechersüßen Weines für manche ältliche Frau.
Der Obrist redete mit dem Kaufherrn und mit dem Forstmeister,der von dem Schießhausc herüber gekommen, und hinter ihre Stühlegetreten war. Sie verhandelten alle Verhältnisse, die eben an der Zeitwaren, und für die Gegend größere oder kleinere Dringlichkeit hatten.Ich sprach einige Worte zu dem Pfarrer von Sillerau, und zu anderen,die in meiner Nähe waren. Einige fragten mich um verschiedene Kranke,wie cs ihnen gehe und ob Hoffnung zur Besserung sei. Ich hatte dieFreude, ihnen sagen zu können, daß ich gar keinen schwer Erkranktenhabe, und daß Alle, die jetzt liegen, bald aufstehen würden.
Die Mädchen und Frauen hatten ihre sonntäglichen Kleider an undmanche waren sehr geputzt. Man erblickte silberne und sogar goldeneVerzierungen auf den Miedern und Spangen. Margarita saß recht ein-fach neben mir auf ihrem Stühle. Sie hatte ein graues geglänztesKleid an, welches sie nach den weißen am meisten liebt. Auf dem ganzenGewände war keine andere Zierde, als eine kleine rothseidcne Schleifeam Halse, wo das Gewand geschloffen war. Den seinen Strohhut, densie im Sommer gerne trägt, hatte »ran ihr von dem Haupte genommen,und ihn an den Ast einer Birke gehängt. Obwohl sie nicht ihren sonn-täglichen oder gar festtäglichen seidenen Putz an hatte, in dem sie mirimmer gleichsam etwas fremd vorkam, so hielt ich doch dafür, daß sicunter denen, die hier versammelt waren, die Schönste sei, noch schöner,als die Töchter des Erlebauer.