Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
172
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Wir faßten uns bci den wechselseitig dargereichten Händen, unddrückten uns dieselben recht freundlich.

Sie zog dann den Handschuh wieder an, und setzte sich nieder.Obwohl sie zu Hause immer in bloßen Händen ist, und uns auch so aufunsere Spaziergänge und zum Pflücken der Blumen begleitet hatte, sohielt der Obrist doch bci solchen Gelegenheiten darauf, daß sie den An-stand beobachte, und die Anwesenden ehre. Darum war er selber auchin einem schönen dunklen Gewände. Er saß auf dem Stuhle zu ihrerRechten, und ich setzte mich ans den, der links war, und den man miraufgehoben hatte. Ich setzte mich ein wenig weiter weg, und gab Acht,daß ich an ihrem Gewände nicht streife.

Ich wußte jetzt eigentlich nicht, was ich sagen sollte.

Es waren viele Menschen zugegen, welche ich kannte. Es saß derKaufherr von Pirliug mit seinen Töchtern gleich neben dem Obrist; cswaren Bürger von Thunbcrg da: Frauen und Männer von Pirling;es war der sehr alte ehrwürdige Pfarrer von Sillcrau zugegen, und saßneben seinem Nmtsbruder aus Pirling; es waren Frauen und Töchtervon Rathsherren da, deren Männer und Väter aber in dem Schießbausedrüben waren; es waren geachtete Landlcute da, der Erlebaucr mit sei-nen Töchtern, der Vetter Martin, der Wirth am Rothbcrgc, mit seinerTochter Joseph«; dann einige aus Haslung, aus dem Eidun und andere.Ich kannte beinahe alle. Sie grüßten mich, als ich nieder gesessenwar, und Einige machten mir den Vorwurf, warum ich denn so spätgekommen sei. Ich antwortete, daß meine Geschäfte von dem Zufalleabhingen, daß ich sic mir nicht auf eine gewisse Stunde lassen oder mirVorarbeiten könne, und daß ich daher erst zu erscheinen vermöge, wennsie abgcthan sind, und mich entlassen.

Die obere Wirthin von Pirling kam mit einer sehr schönen gleich-sam in Kristallen geschliffenen Flasche, in der Wein war, nebst einemGlase mit meinem Namen, das sie mir einmal hcrgcrichtct hatten, daßich daraus trinke, wenn ich in Pirling bin, zu mir her, und sagte:ZurTafel seid Ihr, wie jedesmal bei solchen Gelegenheiten, zu spät gekom-men. Diesen Wein gibt Euch die Schützengesellschaft als Ehrcntrunk;er ist der beste, der zu haben ist, er ist aus dem Keller meines Mannes,des Schützcnmeisters, und ist heute für unsere geehrten Gäste herausgebracht worden. Er steht unten in mehreren Flaschen in Eisfuttcr, und