Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
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er eine Weile stehen und betrachtete das Land, vielleicht die höchstemenschliche Gestalt, die man heute in den Lüsten hätte erblicken können.Er blieb eine gute Weile stehen und sah hinaus. Die Sanne war nurmehr einen kleinen Bvgcn van dem Rande der Westwälder entfernt.Dann ging er wieder weiter.

Er ging jetzt einen sanften Abhang schief abwärts, der mit Gebü-schen, Laubbäumen und Steinen besetzt war. Er ging immer fart. Wodie Dachung des Gehölzes minder schief war, und wieder fast sich ebenemLande gleich gestaltete, that sich eine längliche Waldwiese auf, auf derneben einem grauen Steinhaufen ein Schoppen stand, in den man imSammer das Heu thut, um cs im Winter auf dem gefrornen Hochschneemit Handschlitten nach Hause zu bringen. Hanns stand vor dem Schop-pen, und sah eine Weile in das Heu hinein. Dann sah er mit der Handüber den Augen nach dem Stande der Sonne. Diese blickte nur mehrdurch die niederen vergoldeten Tanncnzweige herein. Dann ging er wie-der weiter. Er ging jetzt durch dichten dunkelnden Wald. Er ging anstarken Stämmen vorüber, die die rauhe Rinde hatten, und Von derenverdorrten Besten die grünen Bärte des Mooses herunter hingen. Erging an großen Steinen vorüber, die mit einer weichen Hülle bedecktwaren, ans der zarte Fäden und feuchte Blättchen wuchsen. Er ging aufdem modrigen Boden, der die tausendjährigen Abfälle der Bäume ent-hielt, und dem Tritte keinen Widerstand leistete. Er ging auf keinemWege, weil er die Gestalt und Richtungen des Waldes auch ohne Wegsehr gut kannte. Endlich war er an seinem Ziele. Ein sehr hoherBaum stand unter den andern ebenfalls hohen und alten Bäumen desWaldes. Hanns lehnte die Art an den Stamm und sah den Baum an.In seiner Rinde waren die Zeichen der Liebe eingcgraben: ein Herz mitFlammen, die durch auseinander gehende Striche angcdcutet waren, ein3ting, der zwei Namen umfaßte, ein Kreuz, das aus Keilen empor ragte,der Name Maria's, der ans verschlungenen Buchstaben zusammengesetztwar, dann andere Namen, in zwei Buchstaben bestehend, oft verziert miteinem Kränzlein oder dergleichen, oft ohne Verzierung, zuweilen frisch,so wie die Besitzer noch in JMnd unter den Lebenden wandeln, zuweilenvernarbt und unkenntlich, so wie die Liebenden schon durch Alter cin-gebückt, oder im Grabe bereits zerfallen sind. Der Baum stand sehrhoch in die Abendlust empor, und zeichnete seine Zacken, weil er eine