37
Und dann wandelte er weiter.
Er kam immer Häher empor, der Raum legte sich zwischen ihn unddas Haus, das er verlassen hatte, und die Zeit legte sich zwischen seinejetzigen Gedanken und die letzten Worte, die er in dem Hause geredethatte. Sein Weg führte ihn stets an Berghängcn hin, über die nie ergegangen war — bald kam er aufwärts, bald abwärts, im Ganzen aberimmer höher. Es war ihm lieb, daß er nicht mehr in die Stadt hattegehen müssen, um sich zu beurlauben, weil er die Bekannten heute nichtgerne gesehen hätte. Die Meierhöfc und Wohnungen, die ihm aufstie-ßen, lagen bald rechts, bald links von seinem Wege — hie und da gingein Mensch und achtete seiner nicht.
Der Mittag zog herauf und er wandelte fort und fort.
Die Welt wurde immer größer, wurde glänzender und wurde rings-um weiter, da er vorwärts schritt — und überall, wo er ging, warentausend und tausend jubelnde Wesen.
4 .
Minderung.
Und noch größer und noch glänzender wurde die Welt, die tausendjubelnde» Wesen waren überall, und Victor schritt von Berg zu Berg,von Thal zu Thal, den großen kindischen Schmerz im Herzen und diefrischen staunenden Augen im Haupte tragend. Zeder Tag, den er fernevon der Heimath zubrachtc, machte ihn fester und tüchtiger. Die uner-meßliche Ocde der Luft strich durch seine braunen Locken; die weißen wieSchnee glänzenden Wolken bauten sich hier auf, wie sie sich in seinemmütterlichen Thale aufgebaut hatten; seine schönen Wangen waren be-reits dunkler gefärbt, das Ränzlein trug er auf seinem Rücken und denReisestab in der Hand. Das einzige Wesen, das ihn an die Heimathband, war der alte Spitz, der furchtbar abgemagert neben ihn» her lief.Am dritten Tage nach der Abreise war er ihm nämlich unvermuthet und