Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
314
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Nachdem wir nun den Schauplatz beschrieben haben, gehen wir zudem über, was sich dort zugetragen hat.

Wenn man von dem rothcn Kreuze über den Berg nach Westen hin-abgcht, so daß die Häuser von Oberplan vor den Augen Versinken, sogeht man Ausangs zwischen den dichten Wachholderstaudcn, dann be-ginnt feiner blasen , und dann stehen zuerst dünne und dann dichter ein-zelne Föhrenstämme, welche die Pichlerner Werde heißen, weil einstensdas Vieh zwischen ihnen herum ging »nd weidete. Wenn man aber ausden Föhrenstämmcn hinaus getreten ist, so steht ein weißes Häuschen.Nicht weit davon, etwa zwei Büchsenschüsse, beginnen Felder und Wie-sen, in denen das Dorf Pichlern liegt, durch das ein schöner Bach derMoldau zufließt.

Das weiße Häuschen ist Vor Vielen Jahren Von dcn Besitzern derSchwarzmühle zu Pichlern zu dem Zwecke erbaut worden, daß cs allemaleinem alten Dienstboten, der lange und treu in der Schwarzmühle gedienthatte, als Wohnung gegeben werde. Wenn auch das Häuschen einsamam Stande der Weide liegt, so liegt cs doch, wie cs für das Alter nöthigist, gegen die Sonne gekehrt, und ist durch die Bäume vor den Windengeschützt.

Zur Zeit, als das Kirchlein auf dem Berge schon stand, als cs abernoch so früh war, daß eben die Tage unserer Großeltern im Anbrechcnwaren, lebte in dem weißen Häuschen eine Frau, die zwar kein Dienst-bote in der Schwarzmühle gewesen war, der man aber doch aus Mild-thätigkeit das Häuschen eingeräumt hatte, weil eben kein geeigneterDicnstbote Vorhanden gewesen war. Die Frau hatte nur eine Ziege,welche in dem Ställchen des Häuschens angebunden war. Sie selberhatte das Stübchen daneben. Das Winterholz, welches aus lauter dün-nen Stäben bestand, die sich die Frau im Walde gesammelt hatte, warum das Häuschen aufgcschlichtet, so daß nur die Fenster durch kleineOeffnungeu heraus schauten, und das Dach auf dem Holze aufzulicgcnschien. Wenn sehr schönes Wetter herrschte, ging sie gerne mit ihrer Ziegean den Zäunen gegen den Kramwiesbach hinaus, uud ließ sie die ver-schiedenen Blätter Von de» Gesträuchen des Zaunes fressen, oder sic warhäufig auf dem Kreuzbcrgc, wo sie zwischen den Steinen uud den Wach-holdergcsträuchen die schlechten Blätter ausrauste, oder die blauen Beerenin ihre Schürze sammelte. Manchmal kniete sie auch an dem rothen