Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
313
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hinter der Kapelle gestanden war, nun zwischen den Brunnenhäuschensteht, und dadurch geschah es, daß der Pflasterwcg, der früher zur Ka-pelle hätte führen sollen und unvollendet geblieben war, nun ohne Zielund Zweck in dem Rasen liegt. Ein Nachfolger des Pfarrers ließ denjungen Weg von Oberplan zu dem Kirchlein machen, pflanzte die jungenBäume an seine Seiten, und ließ von den Schulkindern die kleinenSteine von ihn» weg lesen, die sich aus Zufall dort eingcfnnden hatten.

Das Kirchlein ist das nämliche, das noch henk zn Tage steht. DasThürmchen mit den hellklingenden Glocken steht gegen Sonnenaufgang,die Mauern sind weiß, nur daß sie an den Simsen und Fenstern hoch-gelbe Streifen haben, die langen Fenster schauen alle gegen Mittag, daßeine freundliche Helle ist, und an schönen Tagen sich der Sonnenscheinüber die Kirchstühle legt. Das Gnadenbild befindet sich auf dem Hoch-altäre, so daß, wenn am Morgen die Sonne anfgeht, ein lichter Scheinum sein Haupt ist, wie einstens im Wasser, da cs sich dem Blinden ent-deckte. Manche Menschen haben Kostbarkeiten und andere Dinge in dasKirchlein gespendet. Wie sehr es gehegt und gepflegt werde, hängtjedesmal von dem Pfarrer in Oberplan ab. Jetzt ist immer, wenn nichtgar schlechtes Wetter ist, die zweite Messe oben, und immer finden sichAndächtige ein, die ihr beiwohne». Selbst in der heißen Erntezeit, woAlles auf den Feldern ist, sitzen wenigstens einige Mütterlein da, undbeten zu dem wnnderthätigcn Bilde. Die Bewohner der Gegend verehrendas Kirchlein sehr, und Mancher, wenn er in den fernen Wäldern gehtund durch einen ungefähren Durchschlag derselben das weiße Gebäudeauf dem Berge sieht, macht ein Kreuz, und thut ein kurzes Gebet.

Wann das Kreuz auf dem Gipfel gesetzt worden ist, ob es sammtdem Name» des Berges schon vor dem Kirchlein vorhanden gewesen, odererst später entstanden ist, weiß kein Bewohner von Oberplan oder vonden umliegenden Ortschaften anzugeben.

Die Oberplaner gehen sehr gerne auf den Berg, besonders anSonntagnachmittagen, wenn es Sommer und schön ist. Sie gehen indas Kirchlein, gehen unter den Wachholdcrstauden herum, gehen zu demrothen Kreuze und zu den zwei Brunncnhäuschen. Da kosten sie vondem Wasser, und waschen sich ein wenig die Stirne und die Augenlider.Die Kinder gehen wohl auch an andern Tagen hinauf, um unter denWachholdcrsträuchen gestreifte Schneckenhäuser zu suchen.