Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
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Moldau und die obbcsagten Dörfer. Sonst sicht man von dem Kreuz-berge aus nichts; denn ringsum schließen de» Blick die umgebendenbläulichen dämmernden Bänder des böhmischen Waldes. Nur da, wodas Band am dünnsten ist, sieht man doch manchmal auch noch etwasanderes. Wenn an einem Morgen Regen bevorsteht, und die Luft soklar ist, daß man die Dinge in keinem färbenden Duste, sondern in ihrereinfachen Natürlichkeit sieht, so erblickt man zuweilen im Südost überder ichmalsten Waldlinie die »orischen Alpen, so weit und märchenhaftdraußen schwebend, wie mattblaue starr gewordene Wolken. Gewöhn-lich überzieht sich an solchen Tage» gegen Mittag hin der ganze über demWaldlande stehende Himmel mit einer stahlgranen Wolkendecke, und läßtnur über den Alpen einen glänzenden Strich, zum Zeichen, daß in demniedriger gelegenen Oesterreich noch heiterer Sonnenschein herrscht. Amandern Tage rieselt dann der feine dichte Regen nieder, und verhüllt nichtnur die Alpen, sondern auch die umgebenden blauen Bänder des Waldes.

Aber nicht blos wegen seiner Aussicht kömmt der Kreuzberg in Be-tracht, sondern cs sind auch noch mehrere Dinge auf ihm, die ihn denOberplanern bedeutsam und merkwürdig machen.

An einer Stelle stehen Felsen hervor, auf die man einerseits ebenvon den, Rasen hinzu gehen kan», und die andererseits tief und steilabfallcn, fast viereckige Säulen bilden und am Fuße viele kleine Steinehaben. Es ist einmal eine Bäuerin gewesen, die wegen ihrer außer-ordentlichen Schönheit berühmt war. Sie trug immer die Milch, die sieden fernen Arbeitern ans einer Wiese zur Labung brachte, über denKreuzbcrg. Weil sie aber den Worten eines Geistes kein Gehör gab,wurde sie von ihm auf ewige Zeiten verflucht, oder wie sich die Bewoh-ner der Gegend ausdrücken, verwunschen, daß an ihrer Stelle die selt-samen Felsen hervor stehen, die noch jetzt den Namen Milchbäuerin füh-ren. Die Säulen der Milchbäneri» sind durch feine aber deutlich unter-scheidbare Spalten geschieden. Einige sind höher, andere niederer. Siesind alle von oben so glatt und eben abgeschnitten, daß man auf denniederer» sitzen und sich an die höher» anlehnen kann. In der sonnigenTiefe unter der Milchbäucrin sind die Pflanzbeete der Oberplaner, dasist, aufgelockerte Erdstellen, in denen sie im ersten Frühlinge die Pflänz-chen des Weißkohles ziehen, um sie später auf die gehörigen Accker zuverpflanzen. Warum die Leute diese von ihren Wohnungen so entlegene