Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
308
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ßcr und sehr alter Baum, der gewaltige Neste, eine rauhe aufgeworfeneRinde, und mächtige in die Erde eingreifende Wurzeln hat. An seineinFuße liegen mehrere regelmäßige Steine, die wohl zufällig dort liegenmöge», die aber wie zum Sitzen hingclegt scheinen. Den Namen be-schrieben mag die Tanne von den vielen Herzen, Kreuzen, Namen undandern Zeichen erhalten haben, die in ihrem Stamme cingegraben sind.Natürlich ist sie einmal ein Tännling gewesen, die Steine, an denen sicstand, mochten zum Sitzen eingeladen, und cs mochte einmal einer sei-nen Namen oder sonst etwas in die feine Rinde cingcschnittcn haben.Die verharschenden Zeichen haben einen Andern angereizt, etwas dazu zuschneiden, und so ist es fortgegangen, und so ist der Name und die Sittegeblieben. Der beschriebene Tännling steht mitten in dem stillen Walde,und die andern Tannen stehen tausendfach und unzählig um ihn herum.Ost mögen sie noch größer und mächtiger sein, als er. Der Wald, demsie angehören, ist ein Theil jener dunkelnden großen und starken Wal-dungen, die über den ganzen emporgehobenen Landstrich gebreitet sind,der sich zwischen Böhmen und Baiern dahin zieht.

In diesen Waldungen ist auch da, wo sie sich gegen das österreichi-sche Land hinzichen, ein Helles lichtes Thal geöffnet, von dem wir an derzweiten Stelle unserer Geschichte nach dem beschriebenen Tännling redenmüssen, weil sich in ihm ein großer Theil von dem, was wir erzählenwollen, zugctragcn hat. Das Thal ist sanft und breit, es ist von Ostengegen Westen in das Waldland hinein geschnitten, und ist fast ganz vonBäumen entblößt, weil man, da man die Wälder ausrottete, viel vondem Ueberflusse der Bäume zu leiden hatte, und von dein Grundsätzeausging, je weniger Bäume überblicbcn, desto besser sei cs In derMitte des Thales ist der Marktflecken Obcrplan, der seine Wiesen undFelder um sich hat, in nicht großer Ferne auf die Wasser der Moldausieht, und in größerer mehrere herumgestreute Dörfer hat. Das Thal istselber wieder nicht eben, sondern hat größere und kleinere Erhöhungen.Die bedeutendste ist der Kreuzberg, der sich gleich hinter Obcrplan erhebt,von dem Walde, mit dem er einstens bedeckt war, entblößt ist, und sei-nen Namen von dem blutrothen Kreuze hat, das auf seinem Gipfel steht.Von ihm aus übersieht man das ganze Thal. Wenn man neben deinrothen Kreuze steht, so hat man unter sich die grauen Dächer von Obcr-plan, dann dessen Felder und Wiesen, dann die glänzende Schlange der