Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
292
Einzelbild herunterladen
 

292

Am Abende kamen wir wieder Me, wie gewöhnlich, zusammen,und cs waren Gespräche von fernen auf die gegenwärtige Lage keinenBezug habende» Dingen.

Obwohl nun meine Zeit, die ich noch zugegeben hatte, vorüber war,so wollte ich doch in diesem Augenblicke nicht fort reisen, weil cs geschie-nen hätte, als nähme ich seht die Flucht, wo in die Familie etwasDrückendes eingetreten sei. Ich blieb noch da. Ich ging ein paar Malezu Alfred hinunter, er ist auch einige Male zu uns herauf gekommen.

Als sich nach und nach die Spannung und das Gefühl, das inFolge des letzten Ereignisses doch in der Familie entstanden war, gemil-dert hatte, und wieder der liebe freundliche Umgang war, der vorher stattgehabt hatte, erklärte ich, daß ich jetzt reisen müsse, und daß ich keinenAufschub mehr machen könne. Man versuchte auch keinen zu erzielen,und es wurde der Tag festgesetzt.

Ich ging noch zu Alfred hinunter, um Abschied zu nehmen.

Ich packte nach und nach meine Sachen zusammen. Ich war jetztviel reicher, als da ich herauf gekommen war. Man wollte mich über-reden, den Weg über Sanct Gustav zu nehmen, aber ich sagte, daß mirder, auf welchem ich gekommen sei, so lieb geworden, daß ich ihn auchauf der Rückreise cinschlagcn wolle. Nur das wurde jetzt nothwendig,daß man mir ein Saumthier gebe» mußte, was mit den andern, wennsic die Gartenwaaren fort trügen, fort ginge, und meine Sachen an denSee brächte, von wo sie nach Riva kommen könnten ferner, daß manmir an dem See ein Schiffchen bestellte, das mich nach meinem Gasthofeüberführte. Beides wurde in das Werk gesetzt.

Als der Tag der Abreise gekommen war, wollten sie mich eineStrecke begleiten. Ich verbat cs mir aber und gestand nur zu, daß siemit mir bis an die Grenze des Gartens gehen dürften. Ein längeresBegleiten sei doch nur ein längerer und schmerzlicherer Abschied.

In dem Gefunkel einer schönen Morgensonnc gingen wir durch denGarten. An dem Pförtchen der losen Steinmauer angelangt, bliebenwir stehen nnd nahmen Abschied. Die Mutter sagte mir liebe freund-schaftliche Worte, die meist dahin gingen, daß ich sie bald wieder besuchensolle, Rikar und ich drückte» uns an die Brust, Maria hielt ich einenAugenblick fest an beiden Händen, und Camilla brach in heftige Thrä-nen aus.