Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
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len, de» Schmuck, die Wölbung und die Altäre, und sagte ihr, daß diesesdas Haus Gottes sei, wo die gläubigen Menschen zusammen kommen,um ihn, den man wohl überall anbcten könne, doch hier ganz besonderszu verehren. Ich versprach ihr, daß ich sie, wenn sie recht gnt wäre,bald wieder mit mir in die Kirche nehmen würde, aber nicht, wenn die-selbe so leer stünde, wie heute, sondern, wenn die Menschen versammeltwären, um Gott anzubeten. Das Kind erinnerte mich nun alle Tagedaran, und eines Tages, als ich in die Messe ging, nahm ich cs mit.Ich wiederholte dieses von Zeit zu Zeit. Einmal war ein feierlichesHochamt. Wir gingen ebenfalls hin. Ich weiß nicht, warum ich demKinde nie gesagt hatte, daß man in der Kirche auch zuweilen Musikmache; wir hatten bisher nur immer die stille Messe besucht. Als inden großen Räumen, die heute noch dazu mit Menschen voll gefüllt wa-ren , theils mit geputzten, thcils mit armselig gekleideten, die Töne derOrgel erklangen, war Camilla außerordentlich überrascht. Das Kindmochte bisher die heiligen Verrichtungen des Priesters an dem Altäre fürdie einzige Gottesvcrchrung gehalten haben, wie mußte cs ergriffen wer-den, als cs diese neue Anbetung vernahm. In unserem Hause war da-mals wenig Musik, blos ein bischen Clavier und Gesang. Das Kind,welches bisher immer neben mir gesessen war, und die Händchen gefaltetund die Augen gegen den Altar gerichtet hatte, vergaß seine Andacht,und horchte mit der ganzen Kraft seiner Seele auf die Musik. Im Be-ncdictus war ein Violinsolo, und als die Töne recht deutlich und ver-ständlich von der andern Musik weg gingen, sah ich das Kind neben mirsitzen, seine Händlcin waren ihm in den Schoß gesunken, und die Wäng-lein waren rosenroth erblüht. Als die Messe aus war, nahm ich cs ander Hand, führte cs hinaus, und das Kind hüpfte an meiner Seite nachHause. Als wir zu Hause angekommen waren, erzählte es dem Vatervon der Musik, die cs gehört hatte, und fragte, was das für Klänge ge-wesen seien, die so annehmlich und so lieblich getönt hätten. Ich ant-wortete: „eine Geige." Von nun an fragte Camilla immer, was eineGeige sei, wie sie aussähe, und wie man sie behandle, daß sie klinge.Als sie einmal eine in einer Gesellschaft sah, rührte sie dieselbe an, undversuchte darauf zu spielen. Da ihr der Großvater eine zum Scherzekaufte, spielte sie immer darauf; und da sic einen Lehrer bekam, machtesie große Fortschritte. Sie liebte diese Töne ungcmcssen, und suchte sie