268
dem hellbeleuchteten Grunde des Rasens und von den in der Sonne fastweiß erscheinenden Steinen ab. Ich ging schweigend neben ihm. Alswir durch die lose Steinmauer in die Anlagen cintraten, betrachtete ichdie kräftigen Blätter des Kohles, die dunkeln aufwärts strebenden derGemüse, die Pflanzen, welche blos zum Tragen non Blumen bestimmtwaren, die höheren Stämme und das überall verbreitete Zwcrgobst miteiner Art von Ehrfurcht. Wir gingen die Anlagen hindurch, rechts undlinks stand alles im besten Gedeihen, die fleißigen Hände von Arbeiternregten sich auf verschiedenen Punkten, und sie griffen nach ihren Kopf-bedeckungen, wen» sie uns erblickten, um uns zu grüßen, was sie jedesMattheiten, wenn wir von einem unserer Spaziergänge zurück kamen.Wir traten in das Haus, und begaben uns »ach einigen unbedeutendenGesprächen jeder in unsere Zimmer.
Ich war den ganzen Tag über in einer edleren Stimmung.
Es vergingen von da an mehrere Tage, ich brachte sie mit gewöhn-lichen Dingen zu, thcils mit Zeichnen, theils mit Maria's Pflanzenpflcge.
Da geschah es eines Nachmittages, daß wir an dem Stande desKastanienwäldchcns saßen, nämlich Mutter Bictoria, Rikar und ich. DieMädchen waren in dem Garten beschäftigt, oder eigentlich Maria thatein Geschäft und Camilla sah ihr zu. Die Lüste waren lind und derSpringbrunnen plätscherte angenehm. Die Mutter war besonders freund-lich und mild, und erzählte mir von Camilla, und wie sie dazu gekommensei, die Geige als ihr liebstes musikalisches Instrument zu Pflegen.
„Sic war ein sehr schönes frohes Kind," sagte sic, „sie war leben-dig, feurig, rosenwangig und jauchzend. Jeder, der sie sah, gcricth inEntzücken. Wir waren damals noch in Mailand und die Eltern von beidenSeiten lebten noch. Da nahm ich das Kind einmal in den Dom mit. DieEltern waren der Meinung, daß man ein Kind nicht zu früh in die Kircheführen solle, wenn cs nämlich noch nichts von den heiligen Handlungen ver-steht. Da Rikar und ich diese Meinung theilten, war noch keine unsererTöchter in eine Kirche gekommen. Weil aber Camilla schon Vorstellun-gen von Frömmigkeit zu bekommen schien, da sic immer so andächtigbei ihrem Morgen- und Abendgebete kniete, und da sie die Acuglein nachoben erhob, als wüßte sie, wo das Wesen wohne, zu dem sie das Gebetrichtete, so beschloß ich, sie einmal in die Kirche mit zu nehmen. Ichführte sie zuerst an einem Nachmittage in den Dom, zeigte ihr die Säu-