Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
263
Einzelbild herunterladen
 

263

die Pflanzcnpflege betrifft, so muß man sie sehr gut betreiben, man mußdie allerschönsten Pflanzen hervor bringen, man muß ihnen einen Marktsuchen, und sie müssen Aufsehen erregen. Man muß schöne Blumen pfle-gen , namentlich jene schönen Blumen, welche den wohlhabenden Leutensehr gefallen, die sie nicht selber hervor zu bringen verstehen, und mitFreuden bezahlen. Was endlich den Umstand anlangt, daß wir nur einkleines Stück Land um das Haus besitzen, so können wir ja nach undnach immer mehr erwerben, wie cs unser Bedürsniß erheischt." Eswohnte damals ein jugendlicher freundlicher Landwirth unten im Thale,der seine ererbte schlechte Besitzung zur Berwunderung aller Menschen inreinlichen Stand gebracht und ihr Erträgniß sehr erhöht hatte. Diesenmochte Maria vor Augen gehabt haben. Am Nachmittage nahm sic auchden alten Mann mit dem Maulthiere, und ritt zu dem Landwirthe hin-unter. Sie cröffnete ihm nach ihrer Art unsere ganze Lage, und erzählteihm, wie alles gekommen sei. Am Abende kam sie wieder zurück. Siesaß auf dem Maulthiere gegen die rauhe Lust wohl verwahrt, und hatteeinen großen Pack Bücher bei sich, die sie dem Thicre aufgcladcn hatte.„Vater," sagte sie, „morgen wird Alfred Mussar herauf kommen, er wirddas Land untersuchen, und uns dann einen Rath crthcilcn." Noch andemselben Abende fing sic sehr eifrig in den Büchern zu lesen an. Amandern Morgen kam Alfred wirklich zu uns herauf, und sagte uns, wasihm das Mädchen anvertraut habe, und daß er den Boden ein wenig an-sehen wolle. Er hatte auch einen Mann bei sich; mit diesem ging er aufdem Haidegrunde herum, ließ Erde ausheben, und ließ an verschiedenenStellen Grube» graben. Ais dieses geschehen war, kam er wieder i» dasHaus zurück und sagte, er glaube, daß Maria vollkommen recht habe,daß wir durch Benützung unseres Grundes und Bodens unabhängigleben könnte», und wir sollten unverzüglich an das Werk schreiten; erwerde uns als hilfreicher Freund an der Seite stehen. Wir gaben seinenKenntnissen und Erfahrungen nach, und verabredeten gleich im Allgemei-nen einen Plan znm Beginne. Alfred hat sein Versprechen, uns beizu-stehen, nicht nur gehalten, sondern er hat weit, weit mehr gcthan, er istunser bester Freund geworden, und ist cs bis zu dem heutigen Augen-blicke geblieben. Schon zwei Tage nach seinem ersten Besuche sandte eruns einen sachverständigen Mann herauf, der bei ihm in Diensten war,daß er bei uns das Ganze leite, und deßhalb auch immer heroben bleibe.