mehr besäßen, als das alte Haus aus der Haide. Wollten wir hingegendie Summe sogleich auf Zinsen austhun, und sollten wir die höchstendafür bekommen, so zeigte sich, daß wir bei der allergrößten Beschränkungnicht davon zu leben vermochten. Es war also eine große Bcsorgniß vor-handen, und wir mußten ernstlich darauf denken, was nun zu beginnensei. I» dieser Zeit fing meine Gattin a», Camilla, die uns oft in frü-heren Jahren mit ihrem Geigcnspicle ergötzt hatte, und von der unsmanche nähere Freunde versichert hatten, daß sie besser spiele, als vieleberühmte Meister, zu quälen, daß sic öffentlich austreten, und zu demvorhandenen Vermögen so viel hinzu erwerben möge, daß die Familiefür die Zukunft gesichert sei. Wir hatten sie sonst immer gerne gehört,und uns Eltern waren ihre Töne sehr lieblich in das Herz gegangen, ohnedaß wir darauf gedacht hätten, diese Töne auch für Fremde preis zu ge-ben: als aber jetzt dieseZumuthung an Camilla erging, weigerte sie sich,darauf cinzugehen, vergoß einen Strom von Thräncn, und konnte sichnicht entschließen. Als die Sache öfter angeregt wurde, weigerte sie sichzwar nicht mehr geradezu, aber sic hatte rothe Augen, ein abgehärmtesAntlitz, und bleiche Wangen. Da sagte eines Tages Maria, die damalsnoch nicht völlig achtzehn Jahre alt war: „Vater, ich werde etwas be-ginnen, was uns aus der Besorgniß und aus der Noth heraus reißenwird." Auf die Frage, was denn das sei, antwortete sie: „Ich werdeeinen Obst- und Gemüsegarten, überhaupt eine Pflanzcnwirthschast hieranlegcn, werde die Erzeugnisse verkaufen, davon werde» wir leben, undfür die Zukunft etwas zurück legen." Wir schauten das Kind an, undsagte», das sei wohl ein verunglückter Gedanke, da hier das Erdreich be-sonders unfruchtbar sei, da wir von den Orten des Verkehres abgelegenwären, da die Pflanzenpflcge überhaupt nur sehr kümmerlich nähre, undda wir zuletzt ein zu kleines Stück Land um das Haus besäßen, als daßdamit etwas anzufangen wäre. Hierauf antwortete sic: „Ich habe ansdas alles schon gedacht, aber die Erde muß durch sehr sorgfältige undaußerordentliche Mittel, die ich aus Büchern lernen werde, verbessertwerden, so zwar, daß sic besser sei, als jede andere, welche sich in derGegend befindet. Zu dem Verkehre müssen die einfachsten und wohlfeil-sten Mittel angeschafft werden, die sich selber wieder von den Abfällen derPflanzen erhalten. Weil wir abgelegen sind, so ist gerade das Land wohl-feiler, als in bevölkerten Thälern. Was die kümmerliche Ernährung durch
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