259
Sage ist nicht wahr. Hier ist nie ein Wald gewesen, und weßhalb unsereVoreltern das Haus erbaut haben mögen, können wir nicht mehr ergrün-den. Unsere nächsten Borfahrer kümmerten sich nicht um das Gebäude,sie vergaßen es, und es gcricth in Verfall. Mein Großvater, der einFreund ländlicher Natur und Abgeschiedenheit war, erinnerte sich wiederdaran, und wollte darin wohnen. Er besah cs, und machte seine Ent-würfe. Er sandte dann Bauleute herauf, die diese Entwürfe verwirkli-chen mußten. Er ließ aus den vielen kleinen Zimmern, die dem Ge-schmacke des Mittelalters zusagten, wenigere aber größere machen, wie sievon seiner Zeit gefordert wurden. Er ließ auch znbauen, ließ die Wändemit den Bildern bemalen, die Ihr noch seht. Darum so viele Schäferund so viele Gegenstände aus der Götterlehre sind, und ließ alles nachseinen Ansichten und seinen Neigungen verzieren. Ja er setzte sogar dieBäume, die Ihr jetzt als großgcwachsen und alt um das Haus herumstehen sehet. Sv sehr ist man gewohnt, alles, was in dem Hause auf-sällt, auf Rechnung des Großvaters zu setzen, daß ihn auch sogar meineMädchen, wenn sie von ihm reden, den Großvater nennen, obwohl er ge-gen sie der Urgroßvater ist. Als alles fertig war, ließ er Geräthc heraufbringen, und brachte in jedem Sommer einen Theil seiner Zeit hier zu.Ich erinnere mich, daß ich als ganz kleiner Bube ein paar Male bei ihmheroben war. Mein Vater, als er selbstständig wurde, hatte keine Freudean dem abgelegenen Haidchause, sondern er brachte seine Sommermonateweit davon in einer kleinen Besitzung in Tirol zu. Ich kam in meinenJugcndstreifereien einige Male herauf, und achtete dann später, als ichmit Victoria in der Ehe lebte, nicht mehr auf diese Behausung. In derZeit unserer Verluste aber, da wir die Reste unseres Besitzes zusammenzählten, dachten wir wieder auf das Haus, und ich schlug vor, um vonden Leuten weg zu gehen, und zu sparen, uns einstweilen hiehcr zurückzu ziehen, und hier zu wohnen. Victoria, die mich sehr liebte, willigteein, und die Mädchen hatten mir ohnedem in ihrem Leben noch nie wi-dersprochen. Wir gingen also von Meran herauf. Als wir da wenigstensunter Dach waren, begann ich den Verkauf unserer Habseligkeiten inMailand. Ich reiste hin, und verkaufte das väterliche Haus, das ohne-dem nur zur Bewohnung für seine Familie und zur Bewahrung seinerHandelsgegenstände eingerichtet gewesen war. Ich verkaufte hierauf alleGerüche, die sich in dem Hause vorgefunden hatten. Ich verkaufte die
17 *
1