Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
257
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gm," erwiederte ich, „es wäre thöricht und schlecht von mir, wen» ichzweifelte/'

„Wenn es aber eine Rechtfertigung und eine Genugthuung für michist, dann lasset Ihr mich wohl reden, und hört mich an? "

„Ja, wenn das ist, Rikar, so redet," sagte ich.

„Ich muß manches voraus erzählen, damit Ihr alles versteht,"begann er. „Ich wurde in Mailand geboren, meine Eltern aber warendeutsch aus Tirol, und siedelten sich erst nach ihrer Vermählung des Sei-denhandels willen in Mailand an. Wir lebten im Winter in der Stadt,im Sommer auf dem Lande. Ich war der einzige Sohn und das einzigeKind. Da wir außer dem Handelsgeschäfte auch noch liegende Grunde inden Bergen hatten, so sah es mein Vater nicht gar so ungcrne, daß ichzu dem Handel keine Freude hatte, und mich mehr den Wissenschaften zu-wendete, um einmal in die Dienste meines Vaterlandes zu treten. Ichwar sehr eifrig, und meine'Lehrer lobten mich. In Mailand lernte ichauch meine jetzige Gattin Victoria kennen. Sic war ein ausgezeichnetesMädchen, und wollte mir wohl. Die beiderseitigen Eltern, die in Han-delsverbindung standen, und auch sehr große Achtung vor ihrem wechsel-seitigen Karakter hatten, legten ihren Kindern gar nichts in den Weg.Wir waren sehr glücklich, und wenn sonst die Abwesenheit jedes Hinder-nisses gewöhnlich die Zuneigung erkalten läßt, so wuchs die unsere viel-mehr an diesem Umstande, und ich muß Euch sagen, Laß sie bisher inunsere alten Tage hinein immer gewachsen ist. Als ich in das Amt trat,wurde Hochzeit gemacht. Die Freunde und Verwandten der beiden Fami-lien waren zugegen. Mein Vater hatte uns in einem Hause, das demseinigen sehr nahe lag, eine Wohnung eingerichtet, daß wir in ihr lebenund selbstständig sein könnten. Wir waren zufrieden, wie man cs nurimmer in der Welt sein kann. Meine Gattin gebar mir einen Sohn undzwei Mädchen. Der Sohn ist als Jüngling gestorben, die Mädchen le-ben, und ich habe sie noch. Zuerst starben die Eltern Victoria's, dannstarben auch die meinigcn. Wir verkauften die Handelschaften, wir ver-kauften Victoria's Haus, denn sie war auch die einzige Tochter und daseinzige Kind ihrer Eltern gewesen, und wir zogen in das Hans meinesVaters. Ich war in den Diensten unserer Stadtgemeinde und diente un-cntgelblich. In jener Zeit begannen mich üble Nachreden zu verfolgen, cswurden mir Hindernisse gelegt, und zuletzt brach noch ei» Prozeß mitStifter, -i. AM. Itt. 17