Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
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Schlaf ist gewöhnlich so fest, daß cr nicht unterbrochen wird, außer wenner überhaupt schon aus ist — ich wußte also nicht, wie lange ich geschla-fen haben mochte, als ich durch ein Geräusch geweckt wurde. Ick) wußteAnfangs nicht, was es sei, und setzte mich im Bette auf, um besser zuhorchen. Nach und nach erkannte ich das Ding als Klänge, und endlich,da ich mich völlig gesammelt hatte, als Töne einer Geige. Sie umspiel-ten säst lieblich das sich mehr und mehr ermannende Gehirn, und als ichvöllig wach und nüchtern war, waren es klare, reine, entschiedene, undscharf gezogene Töne. Allein da ich kaum einige Takte zusammenhän-gend vernommen hatte, hörte alles auf. Ich setzte mich in meinem Bettezurecht, um gut zu lauschen. Nach einer Weile begann cs wieder mitdem zartesten Piano, und wuchs der Sache gemäß zu der Stärke, wie siedie Kunst erforderte. Ich erstaunte auf das Acußcrste. Sv konnte wederich selber spielen, noch habe ich je so spielen gehört, wenn cs nicht The-resa Milanollo war. Das gab sich als höchste edelste Kunst zu erkennen.Es war so ungemein genau begrenzt, kein Haar darüber und kein Haardarunter, cs prägte sich klar, bestimmt, und gegenständlich aus. Je län-ger ich zuhörte, je mehr wurde mir die Aehnlichkeit einleuchtend, bis ich,als das vorgetragene Stück aus war, fast zu der unumstößlichen Gewiß-heit kam, das müsse Theresa Milanollo sein, die eben gespielt habe. —Es begann wieder, und trug seine Dinge mit männlicher Entschieden-heit vor.

Ich stand nun auf, warf schnell etwas von meinen Kleidern ummich, und schlich mich auf den Zehen in das andere Zimmer, dessen Fen-ster ich offen gelassen hatte. Ich ging an das Fenster und lehnte michhinaus, um zu horchen. An dem ganz heiteren Himmel stand jetzt eineschmale silberne Mondcssichel, so dünne, wie ein in die Lust geschnittenerZirkel, erleuchtete aber doch so viel, daß ich sah, daß unter meinen Fen-stern eine Terrasse sei, auf welcher Bäume standen, und auf welcher derschwache Schimmer einer Einfassung hin lief. Sonst sah ich nichts,nicht einmal das Dämmern der Felsen, von denen ich doch wußte, daßsie in einer nicht großen Entfernung sein müßten. Auch woher die Tönekamen, konnte ich mit dem Ohre nicht bemessen, kamen sie von rechts,kamen sie von links, oder kamen sie von unten. Selbst, ob im Hauseoder im Garte» gespielt wurde, war mir nicht recht klar. Auf der Terrasseglaubte ich Niemanden zu sehen, auch würde ich es da wohl erkannt ha-