Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
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Ich hatte nämlich in jener Zeit, als ich ineinen Träumereien gelebt hatte,die Geige spielen gelernt, und hatte manche Stunde mit meinem Meistervcrgcigt. Aber so schön wie Theresa geigte ich weder damals mit mei-nem Meister, noch jetzt in meiner grünen Stube, obwohl ich eine ausalter Zeit stammende Crcmoneser Geige besaß, und mir die besten Sai-ten kommen ließ, die auf der Welt zu haben waren.

Wir hielten damals unser vier Mitglieder zwei politische Zeitungen,nämlich der Dechant zu Blumenau, der Forstmeister zu Olshag, derSchulmeister meines Dorfes und ich, da wir aber auch alle viere dieGeige spielten, so wurde einmal, als wir uns bei einer Kircheneinwei-hungsfeicr trafen, verabredet, daß wir alle Monate wenigstens einmalbei mir zusammen kommen, und ein Quartett cinrichten wollten. DasDing geschah und kam bald in den Gang. Wir übten uns in wenigender bekannteren Tonsetzcr, und spielten gewöhnlich zuerst aus Haydn,dann aus Mozart, und endlich aus Beethoven. Wenn nun meine Mit-spieler sehr zufrieden waren, und sagten, die Kirchenmusik in Blumenauund in Stromberg sei lange nicht so gut, als unsere Ausführungen, unddie todten Meister könnten sich in ihrem Grabe freuen, daß sie so verehrtwürden, und daß wir sie doch so gut vortrügen; dann dachte ich: ihrhabt nie so gut spielen gehört, wie ich, und mögt euch immerhin freuen,ich kann es nicht. Ich ließ sie gewähren und verschwieg meine Gedan-ken. Unsere Lust an der Sache ermattete aber endlich ein wenig, undvie monatlichen Quartette schrumpften zu vierteljährigen ein, die wiraber auch da nicht immer abhielten, außer wir schickten uns eigene Ein-ladungsbriefe dazu. Am Ende kam alles in Vergessenheit.

So waren mehrere Jahre vergangen, die ich mit Einrichtungen inTreulust verbrachte. Da dachte ich wieder an meine italienische Reise.Ich konnte sie jetzt mit Bequemlichkeit machen. Meine Verhältnisse wa-ren geordnet, ich hatte nichts zu erbauen, ich hatte keine Veränderungenvorzunchmcn, und ich hatte keine Hoffnungen, die erfüllt werden sollten.In Tirol lebten zwei Freunde von mir, die mich beständig zu sich cin-luden. Der Eine derselben hatte eine Musterwirthschaft, die schon oftvon Reisenden und Zeitungen gelobt worden war. Ich konnte sic be-suchen, dann weiter durch Südtirol gehen, und bei dieser Gelegenheitauch in Meran nach meinem alten Rcisefreunde fragen; denn der Brief,