Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
182
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und in wenigen Augenblicken waren beide Welten, die äußere und diemeiner Gedanken, verschwunden.

Als ich am andern Tage viel später als gewöhnlich, weil ich spätcinschlics, erwachte, als ich mich ängekleidet hatte, in den Speisesaal hin-unter gegangen war, und um meinen Nachbar, an dessen Thür ich einVorlegschloß gesehen hatte, gefragt hatte, hieß es, daß er sehr früh aus-gegangen war, vhnc eine Nachricht hinterlassen zu haben, wann er wie-der kommen werde. Ich ging nun ebenfalls an meine Geschäfte nnd kamnicht eher, als um die gewöhnliche Speisestundc nach Hause. Da ich inden Saal trat, sah ich ihn schon an unserem Tische sitzen, und setzte michzu ihm. Es waren mehrere Menschen an dem Tische, die gewöhnlich umdiese Stunde zu kommen pflegten; mein Nachbar erwähnte des gestrigenTages nicht. Als wir nach Tische, wie häufig, einige Minuten in un-seren Zimmern allein waren, sagte er auch nichts, und ich, meinem Vor-sätze getreu, schwieg ebenfalls.

Nach diesem Ereignisse ging ich noch öfters, um die GeschwisterMilanollo zu hören. Ich habe aber meinen Nachbar nie dazu cingcla-dcu, und er hatte mich in jener Zeit auch nie gefragt, wo ich gewesen sei.Von den beide» Mädchen war zwischen uns nicht mehr die Rede.

Er lebte so stille und einfach fort, er war gefällig und zuvorkom-mend , wenn auch schweigsam und versunken. Ich bereute cs in meinerZartfühligkeit, daß ich ihn einmal schlechtweg blos seines schwarzenFrackes und seiner blassen Gesichtsfarbe halber Paganini geheißen habe.Ich nahm mir mit festem Ernste vor, nie mehr einem Menschen auf Ge-rathcwvhl einen Spottnamen zu geben, weil ich mit ihm später besserbekannt werden nnd einsehen konnte, wie wenig er ihn verdiene.

Wir blieben noch immer in unserem Gasthofe. Er ging alle Tageunverdrossen, und wie cs mir schien, immer eifriger seinen Geschäftennach. Mein Bittgesuch, so langsam cs sich auch förderte, ging doch sei-nen Weg, ich hatte alle Gänge, die dafür zu machen waren, gemacht,hatte sie wiederholt und konnte jetzt nichts weiter thun, als ruhig ab-warten, wie die Sache ausgehen werde. Nur die Anfragen, auf welcherStelle seiner Laufbahn das Ding jetzt sei, konnten von Zeit zu Zeit ge-macht werden.

Die Schwestern Milanollo waren indessen abgcreisct. Die Ta-gesschriftcn, welche von ihnen voll gewesen waren, hatten allgemach ans-