scheu werden von ihren Gefühlen viel stärker erschüttert, als andere, dieihr Hcrannahen merken, und tausend kleine Waffen dagegen in Bereit-schaft halten. Aber auch gegen diesen zweiten Fall streitet der sonderbareAusruf, den mein Nachbar im Wagen machte: Unglücklicher Vater, un-glücklicher Vater. Dieser Ausruf stimmt mit bloßer wenn auch starkerErregung durch schöne Darlegung einer außerordentlichen Kunst nichtüberein. Es bleibt daher der dritte Fall über, daß nämlich in dem Lebendieses Mannes, der jetzt in dem Zimmer neben mir einsam schläft, irgendunbekannte Verhältnisse sein mögen, dia,in Beziehung und Verbindungmit dieser Musik die Erregung so stark machten, daß er sie von Menschenweg in Verborgenheit trug, und sich nicht mehr die wenigen Bissen Essengönne» konnte, die er gewöhnlich zu seinem Abendmahle cinnahm.
Ich beschloß daher, mir von der Sache gegen ihn gar nichts merkenzu lassen, und ihrer, wenn er nicht selber etwas sagte, nicht zu erwähnen.
Ehe ich einschlicf, dachte ich auch noch an die mir so lieb gewordeneTheresa. Es ist also nicht, wie ich Anfangs gefürchtet hatte, bloßeaußerordentliche Fertigkeit an ihr, sondern sie versteht, empfindet underschafft das Gespielte. Aber auch so wollte ein Mitleid, und zwar nochein innigeres, meine Seele um sie beschleichen. Wenn sie sehr oft in sol-chen heißen Gefühlen ist, so wird ihr Leben darunter ermatten, und ihreZukunft gefährdet sein. Dies ist jederzeit der Fall, und wenn die Selbst-schöpsungen gar gewaltig aus dem noch jungen weichen und hilflosenHerzen kommen, so muß dasselbe gleichsam wie in einem Samum welkwerden. Aber, dachte ich wieder, sie wird schon stark und frei sein, daßsie das Gefühl ihrer Kunst ertragen kann, daß sie auch die anderen Dingeder Welt sieht, und mit gesunden Augen durch das Leben geht. Odervielleicht wird sie durch die Wiederholung und durch die Bekanntschaft mitihren Wirkungen weniger angegriffen, als wir, die wir von der Neuheitund von der Plötzlichkeit getroffen werden. Aber der Künstler kann an-dererseits nur allein die zarten Tiefen des Kunstwerkes, in das er sich ver-senkt, ergründen, und muß ihnen die Seele hingebcn: während wir blosvon der Allgemeinheit der Sache überkommen werden, und nur die All-gemeinheit des Gefühles mit nach Hause tragen.
Wer kann das wissen und wer kann das crgrübcln?
Unter diesen Gedanken war nach und nach der Schlummer, dessenich heute so bedurfte, über mich gekommen. Ich löschte mein Licht aus,