Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
183
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gehört, von ihnen zu reden, die Gespräche, in denen sie eine Rolle ge-spielt hatten, waren verstummt, das heißt, sie handelten jetzt von etwasAnderem. Nur manches verspätete Gedicht machte sich noch in der einenoder andern Spalte einer Zeitschrift gelten, und in manchem Gesprächeguter Freunde, wenn eben von Musik die Rede war, wurde noch ihrName genannt. Ich habe immer und jederzeit, wenn sich Gelegenheitdazu gab, meine tiefen Gefühle über ihr Spiel offen dargclegt, nur wennmein Nachbar zugegen war, mied ich eher die Gelegenheit, daß er nichtauf jenen Abend erinnert würde. Endlich kam die Zeit, wo man, sosehr man sie gefeiert hatte, doch nicht mehr eigens von ihnen sprach, son-dern nur, wenn sich zufällig die Gelegenheit dazu ergab. Daß etwas derStoff des allgemeinen Gespräches einer sehr großen Stadt sei, muß cssich eben zugetragcn haben, und muß Aufsehen erregen. Und gerade ingroßen Städten trägt sich immer etwas zu, und macht von Zeit zu Zeitetwas Aufsehen. Darum sind die Tagesgespräche so wandelbar. Wielange das Kinderpaar in dem Gedächtnisse ihrer Freunde und Verehrersortgclebt haben mag, kann ich nicht erörtern, und cs liegt nicht inner-halb der Grenzen dieser Geschichte.

Mein Nachbar und ich waren noch immer in Wien. Er wurde spä-ter sogar krank, und bei der großen sonderbaren Scheu, die er gegen jedesHospital an den Tag legte, lag er auf seinem Zimmer neben dem meinendarnieder, und hatte einen Arzt und eine Wärterin, sonst aber Nieman-den. Ich ging daher häufig, wenn es meine Zeit zulicß, zu ihm hin-über, redete mit ihm, erzählte ihm die Tagcsbegebnisse, was anderWirthstafcl gesprochen worden sei, wer abgereiset und neu angekommcnwäre ich gab ihm auch zuweilen Arznei ein, richtete ihm die Kissen,und erfuhr bei dieser Gelegenheit, wie bitter mager der Mann sei, wenner so den Arm heraus streckte, um etwas zu fassen, oder wenn er etwadas Knie gegen die Decke stemmte, und eine sehr spitzige Piramide machte.Er lag de» ganzen Tag ruhig, es kam kein Mensch zu ihm, und manwußte auch gar nicht, welche Angehörige er habe; denn man sah ihn nieBriefe empfangen oder schreiben.

Endlich wurde er wieder nach und nach gesund, und ging in seinemschwarzen Fracke aus, wie er vor der Krankheit ausgegangen war, nurdaß man ihm das überstandene tlebel ansah.

Seine Abreise, wie er sagte, näherte sich nun heran. Er mußte