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die auf dem zweiten Pulte lag, und reichte sic ihr dar. Die jüngere Schwe-ster stand nicht, bevor das Spiel begann, mit dem Ernste, und ich möchtesagen, mit der Düsterheit da, wie die ältere gcthan hatte, welche wußte,was für ein tiefes und schwankendes Ding jetzt beginnen werde: sondernsie war, wie ein zuversichtliches Kind, das eine schwere Aufgabe her zusage» hat, aber auch weiß, daß cs dieselbe kann. Das Spiel fing an.Die Kleine spielte es mit Freudigkeit und mit Sicherheit — Theresa be-gleitete sehr bescheiden, und half nur hie und da gelegentlich mit einemstarken Striche aus. Da sie endeten, erhob sich ein rauschender, stür-mender , tobender Beifall. Die kleine Künstlerin verbeugte sich freudig,wie eben ein Kind, das froh ist, daß cs seine Sache gut gemacht hat. Ichdachte mir: du liebes Wesen, das Herz mit seinen Freuden und Leidenmuß noch nicht in dir erwacht sein; die Töne sind dir nette gute Dinge,aus denen man recht schöne Sachen machen kann — aber du erfuhrst csnoch nicht, welch eine Seligkeit und auch welch eine Wehmuth in ihnenliegen könne. — Theresa führte unter einem Beifallsjubel das mit Lobüberschüttete Kind von der Bühne; nur in der Mitte wendeten sich beidenoch halb um und verbeugten sich.
So endete das zweite Spiel.
Im dritten spielte Theresa etwas Heiteres, aber Nnstandvollcs. Ichkönnte sagen: sie wand ihre starken goldenen Töne herrlich um dieHäupter der Menge.
Dann spielten beide ein kurzes Duett, und dann wieder Theresaallein. Mir fiel jetzt mein Nachbar ein, den ich in der That ganz undgar vergessen hatte. Ich wußte nicht, ob er ein Kenner oder ein Freundder Musik sei, wir hatten, wie mir schien, von Musik früher nie ge-sprochen. Er war auch die ganze Zeit über so stille neben mir gesessen,er hatte mich nicht angeredet, er hatte sich nicht gerührt, so daß es be-greiflich wird, daß ich, der ich so aufmerksam gegen die Dinge vor mirhingezogen wurde, auch ihn vergessen konnte. Jetzt sah ich ihn an — aberich erstaunte und erschrak fast; denn es fielen ihm Thräncn, eine nachder andern, Schlag auf Schlag, über die gefurchten Wangen herab. Da-bei saß er starr und unbeweglich. Alle, die um uns herum und alle, dieschön geputzt iu den Logen saßen, blickten gegen die Bühne hin, undsahen ihn nicht. Ich aber war ein wenig unruhig, und meine Aufmerk-samkeit war gctheilt. Die Töne gingen vor uns fort, und die Musik war