war es auf der Stelle klar, dieser Tvn könne gar nicht anders als ansdem Herzen kommen, so wie alle folgenden aus dem Herzen kamen, weilsie so zu Herzen gingen. Ich habe in späteren Zeiten das Mädchen wohlnoch spiele», nie aber mehr sprechen gehört, ich bin mit ihr nie mehr zu-sammen gekommen, und habe sic auch nicht kennen gelernt. Ich kanndaher aus ander» Umständen nicht benrtheilen, wie tief ihr Fühlen sei:aher aus diese» Tönen war es mir eine Unmöglichkeit, zu denken, daß csnicht so sei. Ich mußte mit Befremden in das Antlitz eines noch so jun-gen Kindes schauen, das schon so empfand. Wie ihre Saiten durch dieandere Musik hervor tönten, wie sie so entschieden heraus ragte, wie einMann: war cs mir als höre ich ein inniges, starkes, erzählendes, nndmanchmal auch klagendes Herz, Gar schön aber war cs, wie die Un-schuld in dem Spiele herrschte — eine Unschuld, die, möchte ich sagen,nur bei Kindern möglich ist, welche noch an kein Ich denken, das gefeiertwerden soll, sondern die Sache spielen, die ihnen das Einzige ist, das dagelte. Ich schäme mich daher nicht, cs zu gestehen, daß ich von demKinde mit einer tiefen schönen sittlichen Gewalt erfüllt wurde. Ichklatschte daher auch nicht in die Hände, als sic endete, was aber unzäh-lige Andere mit fürchterlichem Gepolter thaten. Ich kann nicht denken,daß diese das Eigentliche empfinden; denn wenn ein Künstler, also einhöherer Mensch — nnd jeder wahre Künstler muß das sein — vor unssteht, uns einen schöner» reinern Theil seiner Menschlichkeit vor Augenführt, und die unsere zu sich empor hebt: dort ist mir, als sollten wirbescheiden verehren. Mit lustigem Beifallsklatschen und Rufen lohntman nur den bezahlten Lnstigmacher, Das Mädchen senkte die Geige, esverbeugte sich nur einmal und kurz, und wurde von demselben jungenManne, der es cingeführt hatte, wieder fort geführt.
So endete die erste Abthcilung,
Nach einem kurzen Zwischenräume, den die Menschen mit Gesprächeund Gebraust ausfüllten, begann die zweite. In derselben führte The-resa die jüngere Schwester heraus, Sic hielt sie, glerchsam wie eineältere Beschützerin, an der Hand, Wir sahen das jüngere der zwei Kinderaus dem Postwagen, das mit seine» Augen so kindlich geschaut hatte.Das Mädchen, bedeutend kleiner als Theresa, war ebenfalls weiß geklei-det, aber statt der gescheitelten Haare und der Zöpfe hatte es ein Kindcr-köpfchcn, rund um voll Locken, Theresa stimmte ihr die kleinere Geige,Stifter, i, Aurl. UI, 12