Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
176
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leicht, daß er dem Kinde gelte, welches durch den jungen Mann blos ein-gesührt worden war. Das Mädchen, da cs in die Mitte der Bühne ge-kommen war, verbeugte sich dankend gegen die Zuschauer und blieb dannstehen, ungefähr wie Jemand, dessen Sinn schon auf ganz andere Dingegerichtet ist, und der die vorliegenden Beifallszeichen eher als eine Unter-brechung als etwas anderes ansieht. Endlich hörte der Lärm auf, unddas Kind ging von der Mitte der Bretter, wo es bisher gestanden war,gegen die Lampen vorwärts. Seine Züge entwickelten sich ich geriethin das äußerste Erstaunen, und mein Nachbar und ich sahen uns plötzlichan; denn das Kind war Niemand Anderer, als jenes ältere der zweiMädchen, die einmal mit uns in dem Postwagen gefahren waren, dasimmer so ernst gewesen war, und das uns so gefallen hatte. Es war dasnämliche Mädchen, dem der Beifallssturm gegolten hatte, und das, alswir wieder hin sahen, eben eine Geige von einem der zwei Pulte nahm,und sich noch einmal verbeugte. Mein Nachbar und ich sagten zu ein-ander:Wir werden also jetzt das Mädchen spielen hören" und wirwußten nun auch, ohne daß cs uns Jemand sagte, wer von den Lampenhell beleuchtet vor uns stehe: Theresa Milanollo. Mich ergriff nunjetzt ein ganz anderes Gefühl, nämlich die Angst, ob das Mädchen auchso gut spiele» würde, wie ich es wünschte, und wie cs mir um sie liebwäre, wenn cs wäre. Mir war von jeher bloße Fertigkeit sehr zuwider,und sogenannte Wunderkinder machten mir jedes Mal einen Schmerz.Welch eine Qual und welche unzählige Stunden der Anstrengung müssenvorhergehen, ehe das Kind sich die unglaubliche Fertigkeit erwirbt, unddie arme gelehrige Seele ein äußerst genau in das Ganze eingreifendesGcräthe wird. Daher hatte ich Mitlciden, als ich das schöne blasseMädchen vor den Lampen stehen sah, che man anfing. Die Züge warenunbeweglich und ich dachte mir damals, diese Büste könnte man in Mar-mor hauen. Ich glaubte zu erkennen, daß sie auf das nicht achte, wasum sie vorgehc, allein das konnte eben so gut Befangenheit als Kunst-gefühl sein.

Endlich begann die Musik des Orchesters ich blickte auf siesie stand ruhig und sah mit ihren ernsthaften Augen vor sich. Als derAugenblick gekommen war, wo sic cinfallen mußte, lag die Geige miteinem leichten Ruck an ihrer Schulter und im Augenblicke ging auchder schöne gehaltene Ton durch die Räume und durch alle Seelen. Mir