Das Mädchen schlug l>ei dieser Anrede die Augen gegen ihn auf,und sah ihn klar und unerschrocken an.
„Ich kann Euch keine Erdbeeren verkaufen," sagte sie, „aber wennIhr nur einen ganz kleinen Theil derselben wollt, wie Ihr sprecht, sokann ich Euch denselben schenken."
„Zu schenke» darf ich sie nicht annehmcn," antwortete Tiburius.
„Sagt einmal, hättet Ihr sie recht gerne?" fragte das Mädchen.
„Ja, ich hätte sie recht gerne," crwicderte Tiburius.
„Nun so wartet nur ein wenig," sagte das Mädchen.
Nach diesen Worten nestelte sie, vorwärts gebückt, den großen Kno-ten des Tuches über dem Körbchen auf, hüllte die Zipfel zurück, undzeigte auf dem stachen Geflechte eine Fülle gelesener Erdbeeren, die mitgrößter Sorgfalt und Umsicht gesucht worden sein mußten; denn siewaren alle sehr roth, sehr reif, und schier alle gleich groß. Dann standsie auf, nahm einen stachen Stein, den sie suchte, gebrauchte ihn alsSchüsselchen, legte mehrere große grüne Blätter, die sie pflückte, darauf,und füllte auf dieselben ein Häufchen Erdbeeren, so groß, als es darausgehe» mochte.
„Da!"
„Ich kann sie aber nicht nehmen, wenn Du sie blos schenkst," sagteTiburius.
»Da Ihr gesagt habt, daß Ihr sie recht gerne hättet, so müsset Ihrsie ja nehmen," antwortete sie, „ich gebe sie Euch auch mit sehr gutemWillen."
„Wenn Du sie mit sehr gutem Willen gibst, dann nehme ich siewohl an," sagte Tiburius, indem er den flachen Stein mit Vorsicht ausihrer Hand in die seinige nahm. Er aß aber in dem ersten Augenblickenicht davon.
Sie beugte sich wieder nieder und richtete das Körbchen mit demweißen Tuche in den vorigen Stand. Als sie sich empor gerichtet hatte,sagte sie: „So setzt Euch auf diesen Stein nieder, und cßt Eure Erd-beeren."
„Der Stein ist ja Dein Sitz, da Du ihn zuerst eingenommen hast,"antwortete Tiburius.
„Nein, Ihr müßt Euch darauf setzen, weil Ihr esset, ich werde vorEuch stehen bleiben," sagte das Mädchen.