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Schläft pochle ihm zuweilen, und zuweilen die linke — wenn der Kopfnicht brauste und Mücken singen, so war die Brust gepreßt oder stachdie Milz — er halte die wechselnden Fröste und die ziehenden Füße derNervenkrankheiten — die plötzlichen Wallungen deuteten ans Erweiterungder Blutgefäße — und so war noch Vieles, Er konnte jetzt auch nie mehrordentlich hungrig werden, wie einst so köstlich in seiner Kindheit, ob-wohl er statt dessen eine falsche Begehrungsempfindlichkcit hatte, die ihnstets reizte, alle Augenblicke zu essen.
So weit war cs mit Herrn Tiburius gekommen. Manche Menschenhatten Mitleiden mit ihm, und manches Mütterlein sagte sogar voraus,er werde es nicht lange mehr treiben. Aber er trieb cs doch noch immerfort. Zuletzt redete man gar nicht mehr von ihm, weil er doch nicht ster-ben konnte; sondern nahm ihn als einen hin, der eben ist, wie er ist;oder man sprach von ihm blos in der Art, wie man von einem spricht,der schon einmal etwas Ungewöhnliches an sich hat, wie zum Beispieleeinen schiefe» Hals, oder schrecklich schielende Augen, oder einen Kropf.Mancher, wenn er an dem Landhause mit den verschlossenen Fensternvorüber ging, schaute hinauf und dachte, wie er doch das Vermögen daoben, wenn er es hätte, so ganz anders genießen würde, als der verwor-rene Herr, Die lange Weile und die Ocde hatte ihre breite Fahne überdas Landhaus des Herrn Tiburius ausgebrcitet, im Garten standen dieeinförmigen Arzncikräuter, die er pflanzen zu lassen angefangen hatte,und ein Schalk behauptete, die Hähne krähten viel trauriger innerhalbder Gemarkungen seines Hofes als anderswo.
Somit wären wir denn so weit gelangt, das Elend des Herrn Tibu-rins cinzusehcn — wir gehen nun zu dem freudigem Ereigniß über, wieer wieder aus diesem Abgrunde heraus gekommen, und alles das gewor-den ist, was wir am Eingänge dieser Geschichte so rühmlich von ihm er-wähnt haben.
Da war ein Mann in der Gegend, von dem die Leute ebenfalls sag-ten, daß er ein großer Narr sei. Von diesem Manne ging plötzlich dasGerücht, daß er den Herrn Tiburius behandle. Der Mann war allerdingsein Doetor der Heilkunde, aber er heilte nichts, obgleich viele sein schrift-liches Befugniß hiezu gesehen hatten; sondern er war eines Tages in dieGegend gekommen, hatte ein schlechtes Bauernhaus, dessen Besitzer imAbwirthschaftcn begriffen war. sammt Garten, Feldern und Wiese» ge-