kauft, baute das Haus um, uud trieb Landbau und Obstzucht. Wennaber doch einer zu ihm kam, der ein Nebel hatte, so gab ec ihm keineArznei, sondern schickte ihn fort, und verschrieb ihm viel Arbeit, ein bes-seres Essen, als er bisher hatte, und ein angclweites Ocffnen aller Fen-ster seiner Wohnung. Da nun die Leute sahen, daß er mit der Doetoreinur Schalksnarrheit treibe, und statt der Mittel nur lauter natürlicheDinge verordne, kam keiner mehr zu ihm, und sie ließen ihn fahren.Hinter seinem Hause hatte er ein ganzes Feld voll rutheudünncr Bäum-chen, auf die er sehr achtete, und in einem gläsernen Gebäude standenauch Ruthen mit grünen lederglänzcndcn Blättern, die Niemand kannte.So wie nun ein Narr den Andern anzieht, sagten sie, hätte Herr Tibu-rius zu dem einzigen Manne Vertrauen, und nehme von ihm Mittel.
Das war aber eigentlich nicht wahr, sondern die Sache verhielt flehso: da Herr Tiburius sich um alles, was Arzneiwissenschaft angeht, sehrbekümmerte, meinten seine Leute ihm einen Gefalle» zu thun, wenn sieihm von dem neuen Doetor erzählten, der das Ouerleithcnhaus gekaufthabe und nun dort wirtschafte. Der Zimmerdiencr des Herrn Tiburiussprach ein paar Male davon, ohne daß der Herr Tiburius sonderlich dar-auf achtete; aber wie der Himmel zuweilen ganz wunderliche Wege ein-schlägt, damit sich das Schicksal eines Menschen erfülle, geschah cs auchhier, daß Herr Tiburius in einer Schrift des alten nun bereits schon seitlanger Zeit seligen Haller auf eine Stelle geriet, die offenbar einen Wi-derspruch in sich enthielt, das heißt, in so ferne offenbar, als man einArzncigelehrtcr ist — für einen andern war die Rede weder so noch soverständlich — in so ferne aber doch wieder nicht ganz offenbar, als eszweifelhaft war, ob man ein Arzneigclehrter sei, oder nicht. In diesenZweifeln, die den Herrn Tiburius quälten, fiel ihm wieder wunderbarerWeise der Neuangekommene Doetor ei», obwohl sein Diener schon langenicht mehr von ihm gesprochen hatte. Hier müssen wir aber der geschicht-lichen Wahrheit die Ehre geben und bekennen, daß der Mann dem HerrnTiburius gerade darum eingefallen ist, weil er von den Leute» ein Narrgenannt wurde; denn Herr Tiburius hatte ganz eigene Ansichten von derNarrheit, und der Mann wurde ihm darum merkwürdig. Allein wenn dieLeute, wie Herr Tiburius, auf etwas denken, so bleibt es gewöhnlich beidem Gedanken. Bei Herrn Tiburius mußte cs auch eine Weile so geblie-ben sein, bis er einmal plötzlich befahl, daß man den geschlossenen Wa-