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denn er kennte nun ungestört an etwas gehen, was er scheu öfter gewellthatte, wozu er aber nie gekommen war. Er hatte nämlich, obwohl seineKrankheit als erwiesen da stand, noch nie etwas gegen sie gebraucht, we-der hatte er einen Arzt holen lassen, noch hatte er sonst ein Mittel da-gegen angewcndet. Jetzt beschloß er sich zu behandeln. Sv wie der Alt-knecht seit jeher schon die Bewirthschaftung des Gutes führte, mußte nunder Bediente die Kleiderkammer übernehmen, der Schaffner erhielt dieGeräthe, der Verwalter das Vermögen, und er, der Herr, hatte kein an-deres Geschäft, als sich zu heilen.
Um den Zweck völlig zu erreichen, schaffte er sich sofort alle Bücheran, die über den menschlichen Körper handelten. Er schnitt sie auf undlegte sie in Stößen nach derjenigen Ordnung hin, nach der er sie lesenwollte. Die ersten waren natürlich die, die über die Beschaffenheit undVerrichtungen des gesunden Körpers handelten. Aus ihnen war nichtviel zu entnehmen, aber sobald er zu den Krankheiten gekommen war, sowar es ganz deutlich, wie die Züge, die ^beschrieben wurden, in allerSchärfe auf ihn paßten, — ja sogar Merkmale, die er früher nicht ansich beobachtet hatte, die er aber jetzt aus dem Buche las, fand er ganzklar und erkennbar an sich ausgeprägt und konnte nicht begreifen, wie sieihm früher entschlüpft waren. Alle Schriftsteller, die er las, beschriebenseine Krankheit, wenn sie auch nicht überall den nämlichen Namen für sieanführten. Sic unterschieden sich nur darin, daß jeder, den er späterlas, die Sache noch immer besser und richtiger traf, als jeder, den er Vor-her gelesen hatte. Weil die Arbeit, die er sich vorgesteckt hatte, sehr nm-fangsreich war, so blieb er bedeutend lange Zeit in dem Geschäfte befan-gen, und hatte keine andere Freude, als die, wenn man das überhaupteine Freude nennen darf, daß er manchmal seinen Zustand so außerordent-lich und unglaublich treu angegeben fand, als hätte er ihn dem Manneselber in die Feder gesagt.
Drei Jahre hatte er sich behandelt, und er mußte zuweilen den Plander Behandlung wechseln, weil er nach und nach zu einer bessern Einsichtgelangte. Endlich war er so schlecht geworden, daß er alle Merkmale allerKrankheiten zu gleicher Zeit an sich hatte. Ich führe nur einige an: erhatte jetzt einen kurzen Athem ; denn er konnte, wenn er der Vorschrifteines Buches zu Folge doch an einem Sommertage in den Garten ging,nicht weit gehen, ohne müde zu werden und sich zu erhitzen — die rechte