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Als cr, weil die Zeit gar so todtlangsam hin ging, wieder einmal,was cr seit seiner Gefangenschaft ans Stolz nie gcthan hatte, sehnsüch-tig an dem eisernen Gitter der Einschlußmauer stand, und sein Angesichtzwischen zwei Stäbe legte, um hinauszuschauen, hörte er Plötzlich in demEisen ein Rasseln; eine Kette, die cr schon öfter an den Stäben bemerkthatte, wie sie empor ging und sich in die Mauer verlor, bewegte sich,und in dem Augenblicke fühlte er an dem sanften Nachgeben der Stäbeauswärts, daß das Gitter offen sei und ihn hinaus lasse. Er ging hin-aus und ging in einigen Theilcn der Insel herum. Er hätte jetzt dieGelegenheit zur Flucht benützen können, aber weil ihn der Oheim frei-willig hinausgclasscn hatte, benützte cr sie nicht, und begab sich wiederfreiwillig in sein Gefängniß. Bei seiner Annäherung an das Gitter wardasselbe zu, öffnete sich aber, als cr heran trat und ließ ihn herein, sichhinter ihm wieder schließend.
Durch alle diese Sachen hätte Victor weicher werden müssen, wennder Mann nicht schon vorher am sanftesten sein Herz dadurch gerührthätte, daß er ihm den Spitz frei gemacht hatte.
Der Jüngling fing nun folgerechter Weise auch seinerseits an, denGreis näher zu beobachten, und oftmals zu denken: „Wer weiß, ob crso hart ist, und ob cr nicht vielmehr ein unglücklicher alter Mann sei."
So lebten die zwei Menschen neben einander hin, zwei Sprossendesselben Stammes, die sich hätten näher sein sollen, als alle andernMenschen, und die sich so ferne waren, wie keine andern — zwei Spros-sen desselben Stammes, und so sehr verschieden: Victor das freie heitereBeginnen, mit sanften Blitzen des Auges, ein offener Platz für künftigeThaten und Freuden — der Andere das Verkomme», mit dem eingc-schüchterten Blicke, und mit einer herben Vergangenheit in jedem Zuge,die cr sich einmal als einen Genuß, also als einen Gewinn, aufgcladenhatte. In dem ganzen Hause lebten nur vier Personen: der Oheim,der alte Christoph, Rosalie, so hieß die alte Haushälterin und Köchin,und endlich das blödsinnige auch schon alte Mädchen Agnes, welche Ro-salien's Handlangcrin war. Unter diesen alten Menschen und neben demalten Gemäuer ging Victor herum, wie ein nicht hieher gehöriges Wesen.Sogar die Hunde waren sämmtlich alt; die Obstbäume, die sich vorfan-den, waren alt: die steinernen Zwerge, die Bohlen im Schiffhause waren
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